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REVIEW 7.0 18.08.2004

(Album, RH 208, 2004)

J.B.O. - United States Of Blöedsinn

(58:05) Wer seit 15 Jahren in hauptamtlicher Mission wider die bierernste Tristesse unterwegs ist, kommt irgendwann fast zwangsläufig an den Punkt, wo ihm ein wenig die Ideen ausgehen. Auch das fränkische Frohsinnskombinat J.B.O. kann diese kreativen Verschleißerscheinungen nicht gänzlich unter den Pointenteppich kehren. Auf „United States Of Blöedsinn" stehen zwei, drei Songs, die man so oder fast so schon auf früheren Alben gehört hat, und textlich wirken auch noch einige weitere Tracks etwas blutarm. Rein musikalisch lässt das Quartett hingegen jeden Kritiker mit herausgestreckter Stahlschulter erbarmungslos auflaufen. Schädel spaltende, brillant produzierte Thrash-Metal-Nummern wie das psychopathische ´Gänseblümchen´, ´Ich will ein neues Ich´ oder ´Kickers Of Ass´ halten auch international jedem Groove- und Bohrtiefe-Vergleich stand, und die harten Mitsinghymnen ´Glaubensbekenntnis´, ´United States Of Blöedsinn´ und ´J.B.O. wird niemals sterben´ dürften den Heldentenor in jedem Epic-Metal-Fan wecken. Coverversionen spielen diesmal so gut wie keine Rolle (die einzigen beiden Fremdkompositionen gehören eher zu den Schlusslichtern der albuminternen Qualitätswertung), dafür spielt man gegen Ende mit dem von Basser Ralph Bach rausgeschnodderten Kaputtnik-Knüller ´Voll im Arsch´ und dem kultigen Ideen-Sammelsurium ´Das vokuhilische Pendel´ noch zwei Trumpfasse aus, wie man sie so frisch und originell seit dem grandiosen Debüt „Explizite Lyrik" nicht mehr gehört hat. Diese Humorperlen machen aus einer bis dahin recht soliden eine gute Platte, die man allein schon deshalb braucht, um auf der nächsten Tour nicht stumm im abfeiernden Pulk stehen zu müssen.

REVIEW 9.0 18.09.2002

(Album, RH 185, 2002)

J.B.O. - Rosa Armee Fraktion

Die Metal-Welt zwischendurch mal durch die schwarz-rosa-goldene Brille zu betrachten, kann richtiggehend therapeutische Zwecke erfüllen. Wobei bei aller Lockerheit und allem Witz nicht vergessen werden darf, dass der instrumentale J.B.O.-Standard mittlerweile Major-League-Ansprüchen entspricht. Hatte es beim Studioreport noch nicht den Anschein, so ist "Rosa Armee Fraktion" doch wieder eine Art Revue wie die legendäre rosa CD („Laut!") geworden. Auf das tiefgründige Pointenfeuerwerk ´Wem nutzt das schon´ ("...wenn sich der Haidersjörg auf Adolf aus Braunau reimen würde!") folgt der bei den Sommerfestivals bestens angekommene Bloodhound Gang-Verschnitt ´Arschloch und Spaß dabei´, der wiederum von ´Ich will Lärm´ (der soundtechnisch unterbelichtete Anfang soll wohl zum Aufdrehen des Volume-Reglers verleiten, was aber eine Falle ist, denn beim normal gepegelten Refrain zerspringen dann wahrscheinlich die Boxen) abgelöst wird, das einen Fixplatz im Liveprogramm von J.B.O. sicher haben wird. Danach die Ministry/Die Prinzen-Hommage ´Faulheit siegt´ und der Sailor-Klassiker ´Girls Girls Girls´ - fertig ist ein Paradebeispiel für Abwechslungsreichtum. Seitenhiebe auf mindertalentierte Container-Sänger (´Ich vermisse meine Hölle´) und das zum Anpinkeln komische (beinahe wäre es mir wirklich passiert!) ´Tschibum´, im Original von der Münchner Spider Murphy Gang, runden das dreiviertelstündige Schmunzel- und Feelgood-Erlebnis ab. Lediglich die Soundcollage ´Ich lebe für Schafskäse´ hat sich mir noch nicht erschlossen. Es könnte aber sein, dass da jemandem das „Weiße Album" der Beatles mit ´Revolution No. 9´ in die Hände gefallen ist. Ach ja, und J.B.O. reimt sich tatsächlich auf Niveau...

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