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REVIEW 8.0 22.05.2013

(Album, RH 313, 2013)

TIMO TOLKKI´S AVALON - The Land Of New Hope

Plusminus: Frontiers/Soulfood (51:18) Mit seiner letzten Band Symfonia musste Timo Tolkki eine herbe Schlappe einstecken, die ihn sogar ans Aufgeben denken ließ. Zum Glück konnte sich der finnische Ausnahme-Gitarrist nochmals berappeln und beweist mit seinem neuesten Projekt, dass er´s immer noch draufhat. „The Land Of New Hope“ fällt unter die Rubrik „Metal-Oper“ (auch wenn die Platte außer ein paar Streichersätzen nix mit einer Oper zu tun hat) und bietet symphonischen Melodic Metal der gehobenen Klasse, der es voll und ganz auf die Klientel der Avantasia- oder Helloween-Anhänger abgesehen hat. Auch Stratovarius-Fans dürften hier nicht zu kurz kommen. Die Scheibe ist ein nicht endender Ritt auf der Rasierklinge; die Kunst dabei ist, reichlich Bombast und Pomp aufzufahren, ohne dabei zu arg ins Kitschige abzudriften. Und das gelingt über weite Strecken. Dabei brilliert Tolkki überraschenderweise bei den besonders poppigen Stücken wie ´Enshrined In My Memory´ oder ´Shine´, aber auch schnelle Nummern wie ´To The Edge Of The Earth´ oder ´We Will Find A Way´ und Mini-Epen wie der Titeltrack (gesungen von Michael Kiske) wissen zu überzeugen. Überhaupt hat sich Tolkki kompetente Leute ins Studio geholt: Den Löwenanteil der Vocals übernahm Amaranthe-Sängerin Elize Ryd, auch die Stimmen von Sharon Den Adel (Within Temptation), Russell Allen (Symphony X), Tony Kakko (Sonata Arctica) und Rob Rock (Impellitteri) sind zu hören, ebenso die Keyboard-Künste von Jens Johansson (Stratovarius) und Derek Sherinian (Black Country Communion). Die Zielgruppe wird jubeln, der Rest wird einen ordentlichen Strahl speien. Frank Albrecht 8 Deine Schwäche für Timo Tolkki in allen Ehren, Frank, aber dass dieser Quark hier nichts anderes als Avantasia für Arme ist, hört doch auch ein Tauber. Verquaster, pathetischer, schwurbeliger „Power“-Metal mit den üblichen Verdächtigen als Gastsängern (Michael Kiske, gähn), ein paar Trällerelsen dazu (Sharon Den Adel, oh Grauen), eine klischeehafte Gut-gegen-Böse-Konzeptstory (das Leben als Hobbit in der Postapokalypse, hurra), an alte Stratovarius, Helloween und eben Avantasia „angelehnte“ Riffs und Gesangslinien, die man interessanterweise alle schon mitsingen kann, ohne sie jemals zuvor (in der Tolkki-Version) gehört zu haben. Sicher ist das alles handwerklich gut gemacht (weshalb ich widerwillig sechs Pünktchen rausrücken muss) - aber in etwa so spannend wie eine Scheißhaussitzung von Herrn Albrecht. Götz Kühnemund 6

REVIEW 9.0 24.04.2013

(Album, RH 312, 2013)

TODTGELICHTER - Apnoe.

Plusminus: Code 666/Soulfood (52:56) Eins vorweg: Mit Black Metal haben TODTGELICHTER absolut nichts mehr zu tun. Und das ist gut so, denn in diesem Bereich waren sie nie besonders gut. Das Vorgängerwerk „Angst“ war ein wichtiger Schritt hin zur eigenen Band-Identität, der den Suicide Metal enorm bereichert hat. „Apnoe.“ geht noch einen Schritt weiter und platziert sich zwischen Alternative und Postcore und entwickelt dabei ungeahntes Hitpotenzial, ohne die Tiefgründigkeit vermissen zu lassen. Die Songs sind also verhältnismäßig zahm, dabei aber fesselnd und intensiv. Der bodenständige weibliche Gesang hat mehr Raum bekommen, die Drums sind zurückhaltend gespielt und versprühen teilweise angenehm entspannte Jazz-Vibes, während die Gitarren abwechslungsreich wie nie tönen. Ein düsteres, aber unglaublich schönes Album, das trotz schneller Zugänglichkeit große Langzeitwirkung verspricht. Felix Patzig 9 TODTGELICHTER waren mal ´ne Black-Metal-Band, bei der es durchaus auch mal etwas ruppiger zur Sache ging. Heutzutage wollen die Hanseaten mit primitivem Zeugs wie Heavy Metal offenbar nichts mehr zu tun haben. Anders soll es klingen, Postcore, oder Postrock oder Postirgendwas. Ein bisschen relaxt-jazzig. Einen Hauch Emo-Gejammer dazu. Oder anders ausgedrückt: intellektuelle Klugscheißer-Mucke, die weder Eier noch Seele hat, sondern verkopft und konstruiert wirkt. Das mag handwerklich in Ordnung sein, rockt aber nicht mal ansatzweise. Musik für den nächsten Studenten-WG-Diskussionsabend mit einem Sixpack Beck´s Gold und ´ner Flasche Aperol. Frank Albrecht 4

REVIEW 8.5 24.04.2013

(Dynamit, RH 312, 2013)

VOLBEAT - Outlaw Gentlemen & Shady Ladies

Universal (58:57) Immer wieder erstaunlich, wie viele Neider eine Band auf den Plan ruft, wenn sie groß und erfolgreich wird. Auch im Falle VOLBEAT wurde das Internet von zahllosen Basher-Postings zugemüllt. Alle wussten ja schon vorher, wie scheiße diese Platte wird. Natürlich ohne sie auch nur ansatzweise gehört zu haben. Aber das ist ja nix Neues. VOLBEAT selbst werden vermutlich nur mitleidig lächeln und trotzdem weiter ihr Ding durchziehen. Was auch gut so ist. „Outlaw Gentlemen & Shady Ladies“ ist ganz sicher nicht die beste Scheibe der Dänen, hat aber trotzdem reichlich Klasse. Klar sind Nummern wie ´Cape Of Our Hero´, ´My Body´, ´Lola Montez´ oder ´Pearl Hart´ stark auf den Mainstream-Markt zugeschnitten, aber deswegen sind es trotzdem noch gute Songs mit feinen Hooklines. Oder seit wann sind griffige Melodien und eingängige Refrains ein Verbrechen? Zumal wir es hier ganz bestimmt nicht mit einem Weichspüler-Scheibchen zu tun haben. Beim mit Slayer-Harmonien aufgepeppten ´Dead But Rising´, dem Sabbath-mäßigen ´Room 24´ (mit King Diamond als Gastsänger) oder dem Metallica-Rocker ´Doc Holliday´ wetzen VOLBEAT die Metal-Klinge, für Abwechslung sorgen auch der coole Rock´n´Roller ´Lonesome Rider´ und der feine Headbanger ´The Hangman´s Body Count´. Da verzeiht man den Burschen durchaus die beiden Luftnummern ´Black Bart´ und ´Our Loved Ones´. Die einzige klare Kritik aus meiner Richtung zielt auf die recht zahme Produktion ab. VOLBEAT haben mehr Ecken und Kanten, als hier teilweise zu hören ist.

REVIEW 9.0 24.04.2013

(Album, RH 312, 2013)

TRIBULATION - The Formulas Of Death

Invictus (75:07) Schon auf ihrem Debütalbum „The Horror“ boten TRIBULATION alles andere als Death-Metal-Stangenware. Seitdem sind über drei Jahre ins Land gezogen, aber dass die Schweden in diesem Zeitraum eine solch radikale musikalische Veränderung vollziehen würden, war nicht abzusehen. Die Thrash-Elemente sind vollständig aus ihrem Sound verschwunden, auch Death Metal spielt nur noch eine untergeordnete Rolle. Stattdessen bietet „The Formulas Of Death“ äußerst originelle und komplexe Klangkunst, zu der man nur schwerlich Vergleiche finden kann. Das klingt düster und bedrohlich, die Stimmungen werden mit subtilen Stilmitteln erzeugt. TRIBULATION haben sich progressiven Elementen geöffnet, haben viele leise Passagen in ihre Songs eingebaut, die ein wenig an Sólstafir erinnern und jeweils nur die Ruhe vor dem nächsten Sturm sind. Die ruppigen Parts werden durch die typischen Tremolo-Picking-Riffs schwarzmetallisch dominiert, aber das Spannende an dieser Platte sind nicht mal die zahlreichen Simmungswechsel, sondern dass man einfach niemals ahnt, was als Nächstes passiert. Und dass trotzdem alles Sinn ergibt. Perlen wie ´Wanderer In The Outer Darkness´, ´Spectres´, ´Suspiria´ oder das famose ´Rånda´ sind räudig genug, um von Extrem-Metal-Fans akzeptiert zu werden, aber gleichzeitig so verschachtelt, dass selbst die Prog-Gemeinde stramm stehen dürfte. Edge Of Sanity setzten vor vielen Jahren mit ihrem „Crimson“-Album neue Maßstäbe für das Death-Metal-Genre, TRIBULATION tun es heute mit „The Formulas Of Death“. Hätte man den einen oder anderen Track noch etwas mehr gestrafft, würden hier sogar mehr als dicke neun Punkte stehen.

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