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REVIEW 7.5 24.04.2013

(Album, RH 312, 2013)

ATROCITY - Okkult

Plusminus Napalm/Universal (54:14) Was für ein Mix: Geile, eingängige Death-Metal-Kracher wie ´Death By Metal´ wechseln mit Zitaten aus der eigenen Bandhistorie (z.B. aus der starken „Atlantis“-Phase) und Stücken, die man gerne wieder mal von Bands wie Therion hören würde. Orchesterpassagen (vom Lingua Mortis Orchestra), weiblicher Background-Gesang und Keyboards werden äußerst effektiv eingesetzt, um eine ganze Reihe ambitionierter Textkonzepte, z.B. rund um den Antarktis-Mythos, stimmungsvoll umzusetzen. Ich fürchte nur, der ständige Wechsel zwischen Bombast, ruppigem Metal und künstlerischem Anspruch wird viele Hörer schlicht überfordern. Aber für kommerzielle Kompromisse sind ATROCITY schon zu lange im Geschäft. Bruder Cle 7,5 Als Fan der frühen ATROCITY-Werke tat ich mich mit den Ausflügen ins Gothic- und Achtziger-Jahre-Coverland schwer, weshalb mich die Ankündigung einer härteren Scheibe aufhorchen liess. Zum Teil hält "Okkult" seine Versprechungen, Tracks wie ´Death By Metal´ oder ´Masaya´ zerren endlich wieder an der Kette. Doch der Riff-Spaß wird von Bombast-Ballast und Trällerei ausgebremst und erreicht mit dem Disco-Dreher ´Satans Braut´ seinen Tiefpunkt. Das inhaltliche Gerüst wirkt wie die zusammengegoogelte Schlagwortliste zu Okkultismus und Mystizismus und reicht von Freimaurern und Hexen über Spukschlösser bis zu den Iden des März. In Verbindung mit dem Schlangen&Möpse-Artwork und dem orchestralen Brimborium beschleicht mich der Gedanke, dass "Okkult" weniger mit leidenschaftlich gezocktem Metal, sondern mehr mit Marketing-Kalkül zu tun hat und vor allem auf dem titelgebenden Trend mitfahren will. Denn hier ist für alle von 6 bis 66 was dabei, und wer sich von "Okkult" noch nicht genug gegruselt fühlt, sieht im Anschluss unsere spannende Dokumentation "Mayas rekonstruieren Erichs Kopf: Kann Däniken den nicken?". Nach nur einem Spot gehts weiter... Jakob Kranz 4

REVIEW 28.03.2012

(DVD - Musik, RH 299, 2012)

ATROCITY - Die gottlosen Jahre

(Doppel-DVD) (Napalm/Edel) Viele Jahre haben ATROCITY an dieser DVD herumgeschraubt, aber unterm Strich haben sie alles richtig gemacht, denn „Die gottlosen Jahre“ ist ein hochinteressantes Dokument der Geschichte einer Band geworden, die vor allem eins niemals war: berechenbar. Man vergisst ja mitunter gerne, dass die Schwaben einst als Death-Metal-Band gestartet sind und somit zu den ersten deutschen Acts dieser Szene gehörten. Und gerade den wilden, frühen Jahren ist ein großer Teil der insgesamt dreistündigen Doku gewidmet, die man hier bestaunen kann. Zahlreiche Weggefährten kommen zu Wort, von Carcass über Kreator, Deicide, Morgoth und Entombed bis hin zu einigen Künstlern der Gothic-Szene, mit denen ATROCITY im Laufe ihrer Karriere zu tun hatten. Zudem äußern sich viele Musikjournalisten und Freunde der Band, und wir erfahren viel über Bombenanschläge, Polizeigewalt, verschreckte Diplomaten, radikale Christen und noch radikalere Tierschützer. Und über die Beweggründe, die hinter den zahlreichen musikalischen Richtungswechseln steckten. Denn wie sagt es doch jemand auf dieser DVD so schön: Normal war bei ATROCITY eigentlich wenig. Kaum eine Band hat ihren Sound öfter verändert und sich immer wieder an neue Ideen herangewagt - von denen sicherlich auch einige in die Hose gingen. Teil zwei dieser Doppel-DVD beinhaltet den Auftritt der Band auf dem Wacken Open Air 2010 und jede Menge Videos und Liveclips. Die komplette Vollbedienung also für den geneigten ATROCITY-Fan.

REVIEW 4.5 18.10.2000

(Album, RH 162, 2000)

ATROCITY - Gemini

Dass ATROCITY musikalisch etwa so berechenbar sind wie eine Mischung aus dem Mittwochslotto und der Wettervorhersage fürs Ruhrgebiet, dürfte inzwischen jedem klar sein, der sich ein wenig besser mit dem aus dem Raum Ludwigsburg stammenden Quintett auskennt. Ursprünglich als Death Metal-Combo Ende der Achtziger gestartet, entwickelten sich ATROCITY im Laufe der Zeit immer mehr zur Gothic-Band mit Neue Deutsche Härte-Touch, die mit offensichtlich wachsender Begeisterung Pop-Klassiker covert oder mit Gothic-Freaks diverse Projekte ausheckt. "Gemini", das fünfte reguläre Album der Schwaben, ist stilistisch allerdings eindeutig an den '97er Vorgänger "Werk 80" angelehnt und setzt die Tradition Tanztempel-tauglicher und eingängig-poppiger Songs im Deutsch-englisch-Mix fort. Der Opener 'Taste Of Sin' und 'Das 11. Gebot' beißen sich mit harten Riffs direkt in den Gehirnwindungen des Hörers fest. Dies würde theoretisch auch 'Wilder Schmetterling' schaffen, wären da nicht diverse schwachsinnige Textzeilen ("Oh du mein Papillon, ich kauf uns einen Kokon"), die der Band eher den Weg in die nächste geschlossene Anstalt als in die Hall of Fame ebnen. Ihre Vorliebe für düster-erotische Texte unterstreichen ATROCITY mit 'Liebesspiel' und 'Sometimes... A Nightsong', zwei Nummern, die Achtziger-Keyboard-Klänge mit Dark Wave-Elementen verbinden, streckenweise aber nur die frivole Ausstrahlung einer Palette depressiver Topfpflanzen erreichen. Neben acht eigenen Songs befinden sich auf "Gemini" Coverversionen des Simon & Garfunkel-Evergreens 'Sound Of Silence' und des Klassikers 'Lili Marleen', die eindrucksvoll beweisen, dass sich Sänger Alex Krull gesangstechnisch inzwischen locker mit Kermit dem Frosch messen kann. Auch 'Zauberstab' verwandelte das Quintett mühelos vom Neue Deutsche Welle-Hit, der an frühkindliche Zauberkastenspiele erinnert, in einen spätpubertären Fummel-Song.

REVIEW 21.07.1999

(Album, RH 147, 1999)

ATROCITY - Non Plus Ultra (1989-1999)

Hinter dem äußerst selbstbewußten Titel verbirgt sich eine Doppel-CD-Compilation, die die Entwicklung der ehemaligen Frickel-Deathmetaller eindrucksvoll zusammenfaßt. (Bleibt bloß die Frage, wann die Herrschaften mal wieder eigenes neues Songmaterial aufnehmen. "Willenskraft" ist schon über drei Jahre alt... - fa) Eben jene stilistische Evolution können manche alten Fans zwar nicht mehr nachvollziehen, da der rote Faden wirklich nur schwerlich erkennbar ist, der Unterhaltungswert der "Werk 80"-Phase ist jedoch unbestritten. Und eben jener dominiert den ersten Silberling "The Projects", der die stilistischen Exkursionen mit Liv Kristine, Yasmin Krull, Das Ich, Silke Bischoff und Lacrimosa beleuchtet. Dazu kommt eine neue Coverversion von Accepts 'Shake Your Heads', die zum Entsetzen der True Metal-Fraktion allerdings ebenfalls im tanzbaren "Werk 80"-Stil gehalten ist. Disc zwo ist ein Querschnitt durch die Zeit, als die Welt für die alten ATROCITY-Anhänger noch in Ordnung war, enthält also die wichtigsten Schoten der frühen Alben und eine richtig coole Coverversion (was auch sonst?) von Celtic Frosts 'Procreation Of The Wicked', bei der die Süddeutschen untereinander die Instrumente getauscht haben (z.B. sitzt Alex an den Drums, während Gitarrist Matze singt). Dazu kommen ein Artwork mit zwei Mädels, die die Schnitten von "Werk 80" zu biederen Hausmütterchen degradieren, und insgesamt sieben (!) Videos, u.a. die bislang unveröffentlichten 'The Great Commandment' und 'Shout', die jedoch allesamt auf der Promo-CD fehlen.

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