Review

Reviews 8.0

WUCAN

Sow The Wind

Ausgabe: RH 341

PLUS-MINUS

Hänsel & Gretel/SPV (42:42)
WUCANs limitierte 2014er Debüt-EP „Vikarma“ (hurry up, folks!) wurde in diesem Heft mehr als freundlich abgenickt, jetzt folgt das offizielle Debüt: Viel mehr noch als Geistesgenossen wie Kadavar (deren Live-Mischer Richard Behrens „Sow The Wind“ produziert hat), Zodiac, Samsara Blues Experiment oder Heat wildert das Dresden-Quartett im hierzulande viel zu lange belächelten, international hochangesehenen Krautrock (der musikalisch zwischen Tangerine Dream und Birth Control natürlich nicht die Bohne homogen war, sondern nach wie vor eher eine Epoche beschreibt), erinnert dabei wegen der meistens „harten“ Herangehensweise an Lucifer´s Friend, Eiliff, Night Sun, Weed und Kin Ping Meh, evoziert aufgrund der (in ruhigeren Passagen an Melissa Etheridge erinnernden) weiblichen Vocals natürlich auch Frumpy (was WUCAN wiederum mit Blues Pills verbindet), traut sich aber ebenfalls Schlenker gen Funk (´Looking In The Past´ - Randy Pie, Emergency, Achim Reichel, anyone?) und Flöten-Folk zu. Diese Jethro-Tull-Referenzen (z.B. im Opener-Hit ´Father Storm´) sollten Rensen vor Begeisterung eigentlich nackisch durch Dortmund hüpfen lassen, aber irgendwie schaltet unser Rotschopf auf stur. Nur Schiffmann findet WUCAN auch geil. Was ihn zu einem guten Mann macht. (Ungefähr so gut wie den 16-minütigen „Sow The Wind“-Rauswerfer ´Wandersmann´ mit seinen fliegenpilzirren Psychedelic-„Ideen“.) Los, Michel: Get high, touch the sky!
Boris Kaiser
8

Ächz... Stilistisch sind WUCAN ja grundsätzlich tatsächlich ´ne interessante Alternative zu all dem belanglosen Retro-Rock-Verschnitt, der momentan auf unseren Komposthaufen entsorgt wird. Bei genauerem Hinhören zerfällt „Sow The Wind“ allerdings schon nach bemerkenswert kurzer Halbwertzeit in seine für sich genommen äußerst unspannenden Einzelteile. Die Vocals sind so krautrockig-bieder, dass man der jungen Dame am liebsten einen gehäkelten quietschgrünen Klorollenhut über die Ohren ziehen möchte, die hüftsteifen Classic-Rock-für-Anfänger-Gitarrenparts (diese Soli, aua!) versprühen so viel spontanen Charme wie ein Urologen-Besuch, und das Songwriting bewegt sich irgendwo zwischen geklaut (die Tull-„Verbeugungen“ sind allerblasphemischste Majestätsbeleidigung!) und nicht gekonnt. Wer bis zum ´Wandersmann´ durchhält, wird dann auch noch mit Sommerlager-Fremdschäm-Lyrik penetriert. Kadavar, Zodiac und die Blues Pills darf man gerne unter „überbewertet“ einsortieren, im Vergleich zu diesem uninspirierten Säusel-Rock hier sind das aber alles Weltklasse-Acts. Wenn schon coole Kauz-Mucke, dann doch bitte Kultiges wie das ´71er Kin-Ping-Meh-Debüt oder die frühen Popol-Vuh-LPs. Und das Nudisten-Gehopse überlasse ich lieber Herrn Peters, der ist bei so was unterhaltsamer.
Michael Rensen
4,5

Autor:
Michael Rensen
Boris Kaiser
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