Review

Reviews 8.0

WOLVESPIRIT

Spirit Metal

Ausgabe: RH 291

PLUSMINUS:

Sleaszy Rider (44:38)

„Spirit Metal“ wirkt auf den ersten Blick ebenso kauzig wie krautig, denn der Mix aus Siebziger-Hardrock und Achtziger-Metal in Kombination mit Hammondsounds und weiblicher Rockröhre inklusive einer Messerspitze Progrock wirkt wie eine gestählte Version zahlreicher Siebziger-Krautrock-Acts (u.a. Birth Control, Wind), denen man bei jedem Ton ihre teutonische Herkunft anhörte. Einst galt dies als Qualitätsmerkmal, und die Würzburger haben durchaus das Zeug dazu, dieser Ära neues Leben einzuhauchen, auch wenn sich das Quartett selbst in erster Linie auf internationale Acts wie Deep Purple, Blue Öyster Cult und Rainbow beruft. Bemerkenswert ist vor allen Dingen der kräftige Gesang von Frontfrau Debbie, die an Jutta Weinhold (ex-Zed-Yago), stellenweise an Kate De Lombaert der belgischen Kult-Metaller Acid und nicht zuletzt an die Mutter aller Rockröhren, Janis Joplin, erinnert. Es wird sicherlich Leute geben, die das ganz fürchterlich und beschissen finden. Aber ebenso kann man, wie z.B. der Verfasser dieser Zeilen, richtig Spaß am kauzigen Charme von WOLVESPIRIT haben. Anständig zu polarisieren, hat bisher den wenigsten Bands geschadet und sich oft genug als zuverlässige Begleitung auf dem Weg zu einer professionellen Karriere erwiesen.

Andreas Himmelstein
8

Es gibt Platten, denen begegnet man bereits nach wenigen Sekunden mit einer furchtbaren Abscheu, und manchmal findet man sich selbst sogar in einem düsteren Labyrinth des Hasses gefangen, man möchte viele Dinge für immer kaputtmachen, meistens all die, die auch nur entfernt mit Gothic zu tun haben, zum Beispiel Schweißerbrillen und Totenkopfkerzen und Sargaschenbecher und auch eng anliegende schwarze T-Shirts mit Tribals drauf oder Flammen oder sogar beidem. Das alles ist bei WOLVESPIRIT nicht der Fall, denn deren Stilistik ist super und kommt den Geschmackssicheren dieser Welt entgegen - auch wenn ich als wohl größter Krautrock-Fan der Redaktion hier nur wenig Krautrock finde. Was den Siebziger-Hardrock der Truppe (inklusive diverser Metal- und Prog-Tendenzen sowie vereinzelter furchtbarer, komplett sinnbefreiter Backing-Growls) zumindest für mich ins Abseits befördert, sind die Vocals: Debbie klingt nicht wirklich wie Jutta Weinhold, sondern mit ihrem hoffentlich nicht virulenten Vibrato höchstens wie ´ne auf den Kopf gestellte Jex Thoth, die man ständig und ohne Unterbrechung hin und her schüttelt, bis auch der letzte versteckte Reiz endgültig adieu gesagt hat. Oder - man stellt es sich nicht gerne vor - wie Bernhard Weiß mit abgebundenen Eiern.

Boris Kaiser
4

Autor:
Boris Kaiser
Andreas Himmelstein
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