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WANTED

In letzter Zeit wurde kaum ein Film bereits im Vorfeld so kontrovers behandelt wie WANTED. Er sei "Gewaltkino der härtesten Art", "zelebriere das Töten" und lasse "jegliche Moral außen vor". Prüfen wir mal nach.

Was beinhaltet eigentlich die Story? Eine Geheimorganisation - genannt "die Bruderschaft" - liquidiert Menschen. Jene Menschen werden von "der Vorsehung" ausgewählt: Ein geheimnisvoller Webstuhl produziert Stoff, der sich als Binärcode auslesen lässt, der dann wiederum die Namen der zu massakrierenden Schurken ergibt. Das Motto lautet: "Töte einen, rette hunderte."

Diese Idee ist mit Sicherheit dünn, ihre Botschaft tatsächlich moralisch fragwürdig und die Konsequenz bestimmt alles andere als politisch korrekt. Fakt ist aber auch, dass Todesschwadronen von Chile bis zum Irak, die nach eben jenem vermeintlich hehren Grundsatz handelten oder handeln, zur traurigen Geschichte unseres Planeten gehören. Kaum jemandem ist bislang aufgefallen, wie ungemütlich nahe "die Bruderschaft" den brutalen Aktivitäten der Geheimdienste der Welt kommt: Aus fadenscheinigen (der Webstuhl lässt grüßen!) Gründen werden Menschen ausgewählt und dann gnadenlos und ohne Verfahren gerichtet. Man könnte hier - wenn man wollte - tatsächlich eine gewisse Ironie erkennen.

Zweifelt der Film diese Praxis nun an? Ohne der Handlung vorweg greifen zu wollen: Nein, das tut er nicht, zumindest nicht direkt. Darin liegt ein Unterschied zu anderen Filmen - mitunter Klassikern -, die die Gewalt als ästhetisches Stilmittel entdeckt haben (etwa "Apocalypse Now") oder im Bleigewitter zumindest einen gewissen Sarkasmus erkennen lassen (zum Beispiel "Django").

Ist es verwerflich, dass die Killer der "Bruderschaft" entweder herausragend sexy sind (Angelina Jolie) oder den Beruf des Heckenschützen als aufregende Alternative zum langweiligen Bürojob sehen (James McAvoy)? Wirkt das Blutbad daher cool? Vielleicht. Fraglich ist sicherlich auch, warum die "Bruderschaft" oder die "Vorsehung" ausgerechnet so anerkannten Abschaum der Geschichte wie Adolf H. oder Josef S. entkommen ließ.

Aber muss ein Film denn unbedingt Antworten auf alle Fragen finden, die er aufwirft?

Letztlich handelt es sich bei WANTED lediglich um eine Comic-Verfilmung, irgendwo zwischen "Matrix" und "Sin City", die am Ende des Tages hauptsächlich unterhalten will. Mag sein, dass der Film umstritten bleibt - aber besser umstritten als belanglos. Dass in Großbritannien Werbeplakate für WANTED verboten wurden, weil die Hauptdarsteller darauf mit Waffen zu sehen waren und sie damit vermeintlich "gewaltverherrlichend" wirken könnten, mutet angesichts der Plakate für "Terminator", "James Bond" oder auch "Fluch der Karibik" jedenfalls lächerlich an: In den Hauptnachrichten der BBC gibt es eine traurige Realität zu sehen, deren Härte der fiktiven Welt von WANTED in nichts nachsteht.

Sören Nolte

Autor:
Sören Nolte
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