Review

Reviews 8.5

TRIVIUM

The Crusade

Ausgabe: RH 233

(57:35)

Wohl kaum ein anderes Metal-Album ist weltweit in den letzten Monaten mit solcher Spannung erwartet worden wie „The Crusade“. Und das völlig zu Recht, denn der Vorgänger „Ascendancy“ war der nahezu perfekte Brückenschlag zwischen Old-School-Hartwurst und modernem Metalcore und positionierte die blutjunge Truppe um Aushängeschild Matthew Kiichi Heafy (v./g.) ganz oben in sämtlichen „What´s hot?“-Listen.

Metalcore? Ja, der war tatsächlich mal wichtiger Bestandteil des TRIVIUM-Sounds - wovon man auf „The Crusade“ allerdings nahezu nichts mehr merkt. Stattdessen orientiert sich die Truppe dermaßen an Metallicas schwarzem Album, dass man sich ungläubig an die Lauscher fasst. Ist das noch Heafy, oder ist das schon Hetfield? Vor allem die erste Hälfte der neuen Platte atmet mit Stücken wie ´Ignition´ und ´Detonation´ den Geist der Thrash-Legende.

„Thrash“ ist allerdings auch irreführend, denn TRIVIUM setzen vor allem auf Midtempo und zwingende Refrains, und wenn den Jungs der Schalk im Nacken sitzt, darf´s auch gerne schon mal grenzwertig werden: ´Anthem (We Are The Fire)´ tönt wie sein Titel und feiert mit Hingabe die frühen Mötley Crüe (!), und das sehr gemächliche und pathetische ´This World Can´t Tear Us Apart´ ist dermaßen auf zweite Single geeicht, dass man sich ein Grinsen nicht verkneifen kann. Das Schönste daran ist aber, dass TRIVIUM das, was sie machen, völlig ernst meinen. In Zeiten, in denen schlicht alles ironisiert wird und nichts mehr das sein darf, was es ist, eine mehr als willkommene Abwechslung!

Was Mastodon momentan für den Underground darstellen, sind TRIVIUM für den Mainstream: die neue Speerspitze, der neue Impulsgeber.

Autor:
Boris Kaiser

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