Review

Reviews 9.5

TOOL

Lateralus

Ausgabe: RH 170

Intensität, höllische Intensität. Ultrakomprimiert. Hochverdichtet. Düstere High-Tech-Endzeitszenarien, beängstigend und faszinierend zugleich. „Lateralus“ rotiert immer und immer wieder im stockfinstren CD-Schacht, doch eigentlich dreht sich da keine Platte, sondern ein Virus, der sich durch jede Firewall hindurch ins Zentrum der Seele windet und dort für Verwirrung und gänsehäutiges Wohlbefinden sorgt. Niemand rückt drei Instrumente und eine Stimme so eng zusammen wie TOOL, niemand schafft es so spielend einfach, mit chromatisch gekrümmten Metal-Riffs Spannungsbögen über zehn und mehr Minuten auf einem beängstigend hohen Niveau zu halten. Wenn Maynard wie ein Death Metal-Shouter brüllt, kocht unter ihm die Soundhölle; wenn er hauchdünn flüstert, streichelt das schweigende Trio hinter ihm die Instrumente, als wären´s neugeborene Kinder. Jeder kennt seinen Platz, jeder weiß, was zu tun ist, um den Hörer gemeinsam möglichst schnell in die emotionale Enge zu treiben, und trotzdem wirkt auch jeder Bandbestandteil für sich.

Extrem ausgefeilte Riffs, monströse Bassläufe, unglaublich komplexes Power-Drumming - egal aus welcher Richtung man sich TOOL nähert, ihre Songs sind selbst in der 360-Grad-Betrachtung so gut wie fehlerlos. Wären sie Granitwände, sie könnten nicht glatter und erdbebensicherer sein. Doch es sind immer noch Songs, und Songs kann man sich anhören. Immer und immer wieder. Leise zum Einschlafen, infernalisch laut nach dem Aufstehen. Unterm Kopfhörer oder über die beste Anlage, die man für Geld kriegen kann. Erst „Lateralus“, dann dessen Zwillingsbruder „Aenima“, dann wieder „Lateralus“. Intensität, höllische Intensität. Die Seele brennt und tobt...

Autor:
Michael Rensen
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