Review

Reviews 8.5
Hard Rock Heavy Metal

SPELL

Opulent Decay

Label: Bad Omen/Soulfood
Dauer: 46:25
Erscheinungsdatum: 20.03.2020
Ausgabe: RH 395

Sich die Welt von SPELL zu erschließen, gleicht grob gesagt dem Stöbern in einem hoffnungslos vollgestopften Trödelladen, in dem irgendwie cooler, aber wertloser Tand wie ein halb gefülltes Buli-Panini-Album aus den späten Siebzigern voller Kaffeeflecken direkt neben Bruchstücken des verschollenen Bernsteinzimmers liegt. Will sagen: Das Angebot ist überwältigend, fast immer faszinierend, manchmal lauert hinter dem ersten Kitzel mittelgroße Enttäuschung, manchmal aber eben auch schlichte Brillanz - und schon allein das Stöbern an sich erweist sich als großer Spaß. Auf ihrem dritten Album (das nur noch recht wenig vom Rumpelcharme des Debüts versprüht) probieren die Kanadier mehr als andere Bands in 30 Jahren: rushiges Sphärengeklöppel, crunchige Priest-Gedächtnis-Riffs und quietschkommodiges Solo-Gegniedel ergeben teils arg viel wundertütigen Nerdstoff, aber eben auch den hinterlistig eingängigen Opener ´Psychic Death´, den pastoralen ´Maria durch ein Dornwald´-Wiedergänger ´Ataraxia´ und den auf paradoxe Weise tiefenentspannten Epic-Überhit ´Dawn Wanderer´; die Songs gehören zum Feinsten, was dieses Jahr zu hören sein wird - und das trotz des bisweilen leider etwas windschiefen und hahnbrüstigen Gesangs. Können sehr viel, wollen noch mehr als das.

Autor:
Thorsten Dörting
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