Review

Reviews 10
Doom Metal Heavy Metal

SORCERER

Lamenting Of The Innocent

Label: Metal Blade/Sony
Dauer: 63:35
Erscheinungsdatum: 29.05.2020
Ausgabe: RH 397

Der Schock saß. Laut Waschzettel der Plattenfirma werden dem dritten Album von SORCERER Vocal-Growls zugeschrieben und Post-Metal-Einflüsse attestiert. Einmal tief durchatmen. Zum Glück bleibt der Krümelmonster-Gesang bei Anders Engberg bis auf ein paar kurze Ausfälle in der Mottenkiste, und auch die Post-Metal-Einflüsse kann man getrost mit der Lupe suchen. Womöglich sahen sich die Schweden nach den famosen Vorgängern „In The Shadow Of The Inverted Cross“ und „The Crowning Of The Fire King“ auch ein wenig unter Zugzwang, sich „weiterentwickeln“ zu müssen. Doch wozu die ganze Aufregung? „Lamenting Of The Innocent“ macht grundsätzlich exakt dort weiter, wo SORCERER im Jahre 2017 mit „The Crowning Of The Fire King“ aufgehört haben. Wenn überhaupt, dann ist lediglich das übergeordnete Klangbild ein wenig breiter geworden, SORCERER arbeiten diesmal (noch mehr) mit atmosphärischen Intros und anderen Soundeffekten (wenn das die Post-Metal-Einflüsse sein sollen, dann gerne mehr davon!). Das Songwriting an sich ist im direkten Vergleich sogar noch etwas stärker geworden und reicht von flotten Metal-Nummern ('The Hammer Of Witches' ist mit seinem Dio/Tony-Martin-Ära-Sabbath-Duktus absolut unwiderstehlich!) über tiefschwarze Doom-Banger (göttliche 8:47 Minuten 'Lamenting Of The Innocent') bis hin zu einer unfassbar empathischen Ballade wie 'Deliverance' (komplett mit Cello und Johan Lanqquist von Candlemass als Gastsänger), die sich auf einer Qualitätsstufe mit Jahrhundertwerken wie 'Melissa' oder 'Beyond The Realms Of Death' bewegt. Der Erfolg kam ganz sicher nicht über Nacht, aber mit ihrem neuen Album ist SORCERER endlich das gelungen, wovon die Konkurrenz nicht mal zu träumen wagt: „Lamenting Of The Innocent“ löst „Nightfall“ von Candlemass als DAS Referenzalbum im Bereich des Epic Doom Metal ab.

Man wirft dem Heavy-Metal-Genre (was natürlich gleichermaßen für den Doom Metal gilt) aktuell gerne immer wieder vor, nicht (mehr) innovativ und entwicklungsfähig zu sein. SORCERER strafen mit „Lamenting Of The Innocent“ die Kritiker eindrucksvoll Lügen, denn ihr Material ist im selbstgesteckten stilistischen Bezugssystem nicht weniger fortschrittlich, als es beispielsweise die großen Judas Priest mit „Stained Class“ im Jahre 1978 waren (oder musikalisch passender: Black Sabbath anno 1980 mit „Heaven And Hell“).

Vollkommen geschenkt übrigens, dass ein Konzeptalbum über die Hexenverfolgung im Jahre 2020 weder intellektuell noch narrativ eine besondere Herausforderung oder gar Weltsensation ist.

Autor:
Matthias Mader
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