Review

Reviews 8.0

SLIPKNOT

Vol. 3: (The Subliminal Verses)

Ausgabe: RH 206

(60:17)

Schon beim Albumopener ?Prelude 3.0?, einem düsteren Mix aus Limp-Bizkit-Bombast und AC/DCs ?For Those About To Rock?-Riff, merkt selbst der taubste Hörer: SLIPKNOT haben keinen Bock mehr auf permanentes Aggro-Geballer. Statt ihren dritten Roadrunner-Soundtrack zum Vollscheißen von Backstage-Räumen rauszudonnern, haben die neun Maskierten aus dem Kuhkaff Des Moines die stilistische und emotionale Vielfalt für sich entdeckt. Was SLIPKNOTs langjähriger Weggefährte Ross Robinson nie schaffte, gelang Sound-Legende Rick Rubin (Audioslave, Chili Peppers, Slayer, System Of A Down) bereits im ersten Anlauf: den oft zu monotonen und gewollt psychopathischen Wutklumpen SLIPKNOT auseinander zu brechen und mit einer bewusst bodenständigen, trockenen Produktion zu neuen, deutlich effektiveren Energiebällchen zu formen. "Vol. 3: (The Subliminal Verses)" überrascht mit cleanen Vocals, eingängigen Melodien und sogar lupenreinen, mit Streichern angereicherten Akustikgitarren-Balladen wie ?Circle? und ?Vermilion Part 2?.

Aber dennoch appelliert die Scheibe als Ganzes extrem direkt an den Adrenalinhaushalt und kann einem den letzten Zahn ziehen, wenn die Nerven eh schon flattern. Infernalisch fette Thrash-Granaten der Marke ?The Blister Exists? (mit Gitarren-Leads, so fies wie eine Heuschreckenplage) und ?Three Nil?, der Tanzflächenfeger ?Pulse Of The Maggots? oder das von mörderisch groovenden Drums nach vorne gepeitschte ?Duality? sind pure Power ohne überflüssiges Sicko-Gezappel. SLIPKNOT spannen elegant den Bogen von modernem Thrash à la Machine Head und ruppigem Nu Metal in Early-Korn-Manier zu anspruchsvollem Todesblei (das Mathematik-Metal-Geknatter ?Welcome? mit seinen rasenden Gitarrensoli hat fast schon Meshuggah-Niveau) und kompakter Crossover-Wucht nach System-Of-A-Down-Vorbild. Zwischendurch kombiniert man Hardcore-Metzeleien und mehrstimmige Refrains zu kontrastreichen Hits wie ?Opium Of The People? oder ?The Nameless?, und mit ?Vermilion? inszeniert das gereifte Kollektiv ein atmosphärisches, unter die Haut gehendes Geisterbahn-Epos.

Netter Nebeneffekt der neuen Vielseitigkeit für die Musiker: Endlich sind ihre beachtlichen technischen Fähigkeiten deutlich erkennbar. Netter Nebeneffekt für den Hörer: SLIPKNOT kann man jetzt auch auf Dauerrotation ertragen, ohne dass man nach ?ner halben Stunde von Magengrimmen geplagt wird und in jeder Zimmerecke dampfende Kothäuflein vermutet.

Autor:
Michael Rensen
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