Review

Reviews 8.5

SLIPKNOT

.5: The Gray Chapter

Ausgabe: RH 331

Roadrunner/Warner (63:57)
Weder durch den Abgang von Schlagzeuger Joey Jordison noch durch den tragischen Tod von Gründungsmitglied und Bassist Paul Gray wirken SLIPKNOT auf „.5: The Gray Chapter“, einem musikalischen Abschied von ihrem verstorbenen Kollegen, kreativ geschwächt. Ganz im Gegenteil: Wie es Clown Shawn Crahan bereits im Interview erwähnte, verarbeiten die verbliebenen Masken-Metaller auf ihrem fünften Album das frühe Ableben ihres Band-Bruders zu einer wilden musikalischen Achterbahnfahrt durch Death, Thrash, Modern Metal und Hardcore, deren Kompositionen noch eine Spur reifer, vielfältiger und dynamischer wirken als auf ihren früheren Werken. Der zügellose Psycho-Irrsinn und die wilden Aggressions-Eruptionen, die auf dem Vorgänger „All Hope Is Gone“ ein wenig zurückgefahren wurden, sind zurück, lassen allerdings genug Raum für packende Groover und dunkel-balladeske Nummern (´Goodbye´, ´If Rain Is What You Want´), in denen der Schmerz über das Ableben Grays am greifbarsten ist. Frontmann Corey Taylor glänzt mit unglaublich variablen Vocals, die mühelos den Spagat zwischen hochmelodischem (´The One That Kills The Least´) und fast schon poppigem Gesang, düsterem Flüstern (´Be Prepared For Hell´) sowie brutalen Shouts schaffen und in ihren tiefsten Momenten an das ultrabassige Organ von Phil Anselmo erinnern (´Custer´).
Trotz aller stilistischen Offenheit für ruhige Momente, Klargesang und gedrosselte Energie laufen SLIPKNOT nie zu sehr Gefahr, in die Gewässer von Coreys zweiter Band Stone Sour abzudriften. Dafür ist die eine Combo zu sehr Extrem-Metal und die andere zu rocklastig. Bemerkenswert ist neben dem brillanten, messerscharfen und dennoch druckvollen Schlagzeug/Percussion-Sound der genau richtig dosierte, geschmackvolle Einsatz von Ambient-Klängen (´Sarcastrophe´), Elektro-Spielereien (´Killpop´) und beklemmenden Samples. Mit „.5: The Gray Chapter“ manifestieren SLIPKNOT ihre Genre-Führungsposition und beweisen einmal mehr, dass sie es wie keine andere Band schaffen, extremen Metal mit einem sagenhaft dynamischen und vielfältigen Songwriting zu differenzieren.

Autor:
Conny Schiffbauer
AMAZON EMPFEHLUNG

Melde dich für unseren Newsletter an und verpasse nie mehr die wichtigsten Infos

Diese Seite verwendet Cookies. Erfahrt in unserer Datenschutzerklärung mehr darüber, wie wir Cookies einsetzen und wie Ihr Eure Einstellungen ändern und Cookies deaktivieren könnt. Darüber hinaus verwenden wir Cookies Dritter für die Einbindung audiovisueller Inhalte durch Youtube, Spotify und Soundcloud. Dem könnt ihr hier zustimmen oder dies ablehnen. Datenschutzerklärung ansehen.