Review

Reviews 8.5

SILVERCHAIR

Freak Show

Ausgabe: RH 117

Obwohl sich SILVERCHAIR mit ihrem Debüt "Frogstomp" völlig zu Recht den Ruf eines Pearl Jam- und Nirvana-Plagiats einhandelten, zählen sie fraglos zu DEN Shooting-Stars der letzten zwei Jahre. Nicht ganz grundlos, denn das australische Teenie-Trio stellte zumindest unter Beweis, daß es gute Songs schreiben und auch kompetent spielen kann - schließlich verkauft man selbst in Amerika nicht mal eben zwei Millionen Alben, nur weil man 'ne Gitarre richtig 'rum halten kann. Diese kompositorischen Qualitäten zeichnen auch das Zweitwerk "Freak Show" aus, das seinem Titel erwartungsgemäß nicht gerecht wird - dazu wandeln SILVERCHAIR immer noch auf zu ausgelatschten Pfaden, wenngleich ihr Sound wesentlich facettenreicher geworden ist: Das Stimmband-Chamäleon Daniel Johns röhrt zwar streckenweise immer noch wie Eddie Vedder ('Slave') oder Kurt Cobain (u.a. 'Freak'), doch haben die Jungs inzwischen durchaus auch Stücke mit einer eigenen Note - z.B. die schöne Ballade 'Abuse Me' - im Repertoire. Außerdem setzen sie ihre Vorliebe für härtere, ,"erwachsenere" Musik (sprich: Barkmarket und diverse AmRep-Bands) konsequent um, wie die beiden mehr als respektablen Noiserocker 'Lie To Me' und 'No Association' belegen. Obwohl der - zugegebenermaßen schwierige - Versuch, mit dem auf indisch getrimmten Percussion- & Sitar-Rocker 'Petrol & Chlorine' The Tea Party nachzueifern, nicht ganz überzeugend ausgefallen ist, haben SILVERCHAIR ihr musikalisches Reifezeugnis mit Bravour abgelegt. Wer's nicht glauben will, höre selbst.

Autor:
Marcus Schleutermann
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