Review

Reviews 8.5

SEPULTURA

Dante XXI

Ausgabe: RH 227

(38:57)

Zum ersten Mal in ihrer Karriere lassen sich SEPULTURA von einer literarischen Vorlage inspirieren. Dante Alighieris Klassiker „Die göttliche Komödie“ bildet mit den drei Kapiteln „Hölle“, „Fegefeuer“ und „Paradies“ den Ausgangspunkt für das Konzept des neuesten Studioalbums der brasilianischen Metal-Ikonen. Die ersten fünf, dem Kapitel „Hölle“ zugeordneten Stücke setzen stilistisch die Marschrichtung von „Roorback“ fort und bieten eine rohe Melange aus Doublebass-Attacken, typischen SEPULTURA-Gitarrensoli, Hardcore-Vibes und traditionellen Thrash-Sounds. Lediglich bei ´Convicted In Life´ und dem mystisch-düsteren, zum Teil mit Bläsern durchsetzten Doppel ´False´ und ´Fighting On´ weicht das Quartett vom kompromisslos aggressiven Songwriting ab. Beim Kapitel „Fegefeuer“ setzt sich die Ausgangsidee, ein Album im Soundtrack-Stil zu schreiben, stärker durch. Zwischen räudigen Crustcore-Klängen (´Crown & Miter´) und dezenten Tribal-Einschüben (´Repeating The Horror´) fährt Co-Produzent André Moraes - begleitet von Musikern des Sao-Paulo-Symphonie-Orchesters - Bläser und Streicher auf, die dem Album einen dramatischen, nie aufgesetzt wirkenden Anstrich verpassen. Auch die Band präsentiert sich experimentierfreudig wie schon lange nicht mehr und kokettiert mit maschinell klingenden Gitarren-Loops (´Nuclear Seven´), Gang-Shouts, Geigen-Outros (´Ostia´) und progressiven Riffings, die der metallischen Basis ein abwechslungsreiches Erscheinungsbild geben.

„Dante XXI“ endet nach zehn Songs und vier Instrumental-Stücken mit einer der außergewöhnlichsten Nummern, die SEPULTURA je geschrieben haben. ´Still Flame´ beginnt mit meditativen, mehrstimmigen Gesängen und einem ekstatischen Rhythmus, aus dem sich majestätische Bläser erheben, während im Hintergrund ein Gitarrensolo kocht und Frontmann Derrick Green mit heiserer Stimme apokalyptisch bellt.

„Dante XXI“ ist definitiv das stärkste Album, das der Sao-Paulo-Vierer seit dem Ausstieg von Max Cavalera auf den Markt gebracht hat. Das Konzept ist schlüssig, die Umsetzung klingt ausgefeilt, und der Balanceakt zwischen exotisch-orchestralen Soundexperimenten und einem an der Thrash/Hardcore-Basis orientierten Songwriting ist geglückt.

Autor:
Conny Schiffbauer
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