Review

Reviews 8.5
Heavy Metal

SAXON

Carpe Diem

Label: Silver Lining/Warner
Dauer: 45:00
Erscheinungsdatum: 04.02.2022
Ausgabe: RH 416

Die größten Stinker im tiefen SAXON-Katalog liegen bereits etliche Dekaden zurück (explizit in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre). In jüngerer Vergangenheit pendelte das NWOBHM-Flaggschiff zuverlässig zwischen Mittelmaß und gehobenem Standard. Das 23. Album „Carpe Diem“ fällt allerdings eindeutig besser aus als medioker (und stellt die beiden Vorgänger „Battering Ram“ sowie „Thunderbolt“ recht deutlich in den Schatten). So hart, schnell und aggressiv hat man Biff und seine Boys lange nicht mehr erlebt. Ein gutes Beispiel dafür ist 'Living On The Limit', das in unter drei Minuten auf den Punkt kommt und Vergleiche mit '20,000 Feet' oder 'Heavy Metal Thunder' nicht zu scheuen braucht. 'Age Of Steam' (so was wie das inoffizielle Sequel von 'Princess Of The Night') sowie 'Super Nova' (mit seinem atmosphärischen Interludium, das ein wenig an 'The Eagle Has Landed' erinnert) preschen ebenfalls forsch voran. 'Dambusters' überzeugt mit schöner Rhythmik und greift (wie auch 'Where Eagles Dare') den Zweiten Weltkrieg als Leitthema auf. 'Lady In Gray' lädt zum Gruseln im Gothic-Horror-Modus ein und schraubt ebenso wie 'The Pilgrimage' das Tempo runter. Lediglich 'All For One' (gähn!) sowie 'Black Is The Night' bleiben verhältnismäßig blass. Insgesamt verzichtet „Carpe Diem“ keineswegs auf Selbstreferenzen, allerdings wirken diese nicht so plump, als dass über längere Zeit Langeweile aufkommen würde. Im Gegensatz zu anderen NWOBHM-Weggefährten steht bei SAXON nicht der Selbstverwirklichungsgedanke im Vordergrund, sondern die Zufriedenheit ihrer Anhängerschaft. Experimentieren können andere. Oder auch: Give the people what they want!

Autor:
Matthias Mader

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