Review

Reviews 9.0

RUSH

Vapor Trails

Ausgabe: RH 181

Jetzt höre ich „Vapor Trails“ schon zum 20. Mal und kann die Scheibe immer noch nicht so recht ins Gesamtschaffen dieser begnadeten Band einordnen. Irgendwie passt das Album, das künstlerisch natürlich über jeden Zweifel erhaben ist, weder zu den poppigeren, moderneren Werken à la „Roll The Bones“, „Counterparts“ oder „Test For Echo“ noch zu den klassischen Meilensteinen „2112“, „Permanent Waves“ oder „Moving Pictures“, obwohl „Vapor Trails“ Anklänge an sämtliche Phasen der RUSH-History beinhaltet.

So wundert man sich beispielsweise über die Tatsache, dass das kanadische Power-Trio diesmal gänzlich auf Keyboards verzichtet und Alex Lifesons Gitarre dafür wieder mehr in den Vordergrund geschoben hat, und nimmt andererseits zur Kenntnis, dass Geddy Lees Gesang stellenweise noch sentimentaler und melodischer geworden ist. „Weder Fisch noch Fleisch“, möchte man im ersten Moment sagen, weil keiner der Songs auf Anhieb ins Ohr gehen will - um dann nach kurzer Eingewöhnungsphase festzustellen, dass „Vapor Trails“ genauso wie jedes andere RUSH-Album (das „nur“ gutklassige Debüt mal ausgeklammert) süchtig macht.

Letztlich ist es aber völlig egal, ob RUSH nun härter, softer, experimenteller oder bodenständiger geworden sind (was alles irgendwie zutrifft) - denn als Fan dieser Band saugt man vorbehaltlos jede Note in sich auf und freut sich über die Tatsache, dass Geddy Lee, Alex Lifeson und Neil Peart überhaupt noch Musik machen. RUSH sind so zeitlos wie Led Zeppelin und zieren deshalb zusammen mit den Urvätern des progressiven Hardrocks den Titel dieser Ausgabe.

Autor:
Götz Kühnemund

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