Review

Reviews 8.5

PORCUPINE TREE

Deadwing

Ausgabe: RH 215

(69:44)

Der ganz große (und eigentlich längst überfällige) Durchbruch mit dem sehr kompakten „In Absentia" hat aus unerfindlichen Gründen nicht stattgefunden. Anstatt nun erneut zu versuchen, mit eingängigen Gesangslinien und straffen Songstrukturen das Tool-Publikum für sich zu gewinnen, geht PORCUPINE TREE-Visionär Steven Wilson ganz bewusst einen Schritt zurück und wieder mehr in die Breite. „Deadwing" klingt zwar fast genauso hart und rifflastig wie sein Vorgänger, gleichzeitig aber psychedelischer und elektronischer als alles, was die Briten seit „Signify" veröffentlicht haben. Topmoderne Metal-Grooves prallen auf Trance-artige Traumreisen, perfekt ausgetüftelte Soundscapes auf leicht angeschrägte Refrains. Und genau bei Letzteren liegt das einzige Problem an diesem Album. Überhymnen wie ´Stranger By The Minute´, ´Four Chords That Made A Million´ oder ´The Sound Of Muzak´ sucht man nämlich vergeblich. Hat man sich damit jedoch erst mal abgefunden, entfalten das wütende Drive-Monster ´Shallow´, die wunderschön schwebenden ´Lazarus´ und ´Arriving Somewhere But Not Here´, die vertrackte Achterbahnfahrt ´Open Car´ oder die betörende Pink-Floyd-Verbeugung ´Glass Arm Shattering´ eine ganz eigene, faszinierende Magie, die das Fehlen eines roten Melodiefadens durch grandiose Dynamik, beeindruckende Klanglandschaften und innovative Akkordfolgen fast vollständig kompensiert.

Autor:
Michael Rensen
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