Review

Reviews 7.0

PARKWAY DRIVE

Deep Blue

Ausgabe: RH 279

Epitaph/Indigo (43:42)

Mit ihrem dritten Album „Deep Blue" beweisen PARKWAY DRIVE erneut, dass sie zu Recht als Spitze der australischen Metalcore-Szene gelten. Die fetten Breakdowns, das metallische, an die nordeuropäische Schule erinnernde Riffing sowie die zwischen Schreien und Grunzen wechselnden Gesangsparts walzen sich 13 Songs lang brutal und meistens mit hohem Tempo ihren Weg frei. Noch mehr als auf technische Präzision legen die fünf Australier dieses Mal Wert auf einen natürlich rohen und aggressiven Sound, der „Deep Blue" laut eigener Aussage zum rauesten und härtesten Album in der Karriere des Quintetts macht. Gleichzeitig erhöhen PARKWAY DRIVE vorsichtig den Anteil genrefremder Experimente, ohne ihr Gesicht zu verlieren. Dabei treffen unverfälschte Hardcore-Klänge mehr als zuvor auf eingängig-melodische Metal-Gitarren, finstere Deathcore-Parts und Punkrock-Feeling mit Gang-Vocals. An Letzteren ist Bad-Religion-Gitarrist Brett Gurewitz, der als Gastsänger auf ´Home Is For The Heartless´ zu hören ist, nicht ganz unschuldig. Ihre Wurzeln vergessen PARKWAY DRIVE auf „Deep Blue" nicht, sie öffnen lediglich mit Feingefühl ein wenig mehr die Grenzen ihres Genres. Und das klingt definitiv nicht schlechter als auf den früheren Alben der Jungs aus Byron Bay.

3 Fragen an PARKWAY DRIVE-Sänger Winston McCall:

Winston, was steckt inhaltlich hinter dem Albumtitel „Deep Blue" und generell den Songtexten?

»Es geht um die Suche nach der Wahrheit in einer Welt, in der es keine Wahrheit mehr zu geben scheint. Die Geschichte wird erzählt aus der Perspektive eines Mannes, der eines Tages aufwacht und erkennt, dass das ganze Leben eine Lüge und nichts, woran er glaubt, real ist. Daraufhin macht er sich auf, um die Wahrheit zu finden. Seine Reise führt ihn zum Meeresgrund und wieder zurück. Wenn man so weit draußen ist, dass man den Boden nicht mehr sieht, spürt man, was für ein angsteinflößender Ort das Meer sein kann. Es bedeckt zwei Drittel unseres Planeten. Wenn man sich diese Tatsache vergegenwärtigt, wird klar, wie klein wir sind.«

Worin bestehen die wichtigsten Unterschiede zwischen „Deep Blue" und euren ersten beiden Alben „Killing With A Smile" und „Horizons"?

»Der Sound und der Fluss des Albums sind anders. „Deep Blue" ist unsere musikalisch und persönlich ehrlichste Veröffentlichung. Das Gefühl und der Flow stehen technisch-klinischer Präzision gegenüber. Die Platte sollte menschlich, aber gleichzeitig auch so heavy und tight wie möglich klingen.«

Was ist das Besondere an der australischen Hardcore-Szene? Was unterscheidet sie von den Szenen in anderen Ländern?

»Die australische Szene ist ein bisschen mehr abgeschottet als die Szenen in Europa und den USA. Die meisten Bands gehen nicht außerhalb des Kontinents auf Tour. Deswegen ist es schwer, eine australische Szeneband zu finden, die viel Geld hat und die Welt beherrscht. Ich will nicht sagen, dass es in anderen Ländern zwingend solche Bands gibt; ich habe lediglich den Eindruck, dass wir Australier weniger auf Trends abfahren, als es andere Nationen tun - in erster Linie die USA.« (cs)

Autor:
Conny Schiffbauer
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