Review

Reviews 7.5
Doom Metal Gothic Metal

PARADISE LOST

Obsidian

Label: Nuclear Blast/Warner
Dauer: 45:18
Erscheinungsdatum: 15.05.20
Ausgabe: RH 397

Das etwas einseitige Death-Doom-Werk „Medusa“ hatte (berechtigte) Kritik hervorgerufen. PARADISE LOST können wesentlich mehr, haben sich in ihrer langen Karriere ja teilweise meisterhaft in Stilübungen versucht. „Obsidian“ ist daher eine willkommene Rückkehr zur Vielseitigkeit. Die Platte beinhaltet einige Referenzen an die großen Alben der Band. So hat der Opener ´Darker Thoughts´, der lange in Pianoklängen mit Nicks nachdenklichem Timbre verweilt (ehe er kraftvoll losstürmt), endlich mal wieder die noble Ausstrahlung, die „Draconian Times“ zum beliebtesten Album des Fünfers emporhob. Noch besser: Weite Strecken der Platte zeichnet ein wohltemperiertes, dynamisches Zusammenspiel aus, das sich kompositorisch stellenweise an Gothic-Rock-Vorbilder der Achtziger anschmiegt, im richtigen Moment aber auch ein galliges Metal-Fallbeil auszulösen vermag. PL-Hauptsongwriter Gregor Mackintosh nutzt die komplette Palette der Klangfarben. Zirpende Halbakustikgitarren, Keyboard-Choräle und dezente Streicher sind abwechselnde Begleiter des satt heruntergestimmten Gesamtsounds, den der junge Finne Waltteri Väjrynen erstaunlich routiniert an den Kesseln begleitet. Dass sich die Band damit auf Spurensuche im eigenen Best-of-Katalog („Gothic“, „Icon“, „One Second“) begibt, dürften die meisten Fans ziemlich erleichtert aufnehmen, zumal man musikalisch und klanglich inzwischen in einer ganz anderen Liga angekommen ist. Die Album-Mitte (mein Favorit: ´The Devil Embraced´) ist äußerst gelungen, die abwechslungsreiche Spannung hält sogar bis zum Ende vor. ´Fall From Grace´ und ´Ghosts´ auf den Positionen zwei und drei sind hingegen „nur“ gute Live-Smasher, die dem eigenen Werk nichts Innovatives hinzufügen können. Ein starkes Album mit Schönheitsfehlern.

Autor:
Holger Stratmann
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