Review

Reviews 8.5

PALLBEARER

Heartless

Ausgabe: RH 359

Nuclear Blast/Warner (60:03)

Was am Anfang in seiner Gesamtanmutung ein wenig nach - völlig wertfrei - „Studenten-Indie“ müffelte, entpuppte sich recht schnell als nahezu lupenreiner Doom im Sinne einer Band wie Warning (UK) oder 40 Watt Sun auf ihrem ersten Album: PALLBEARER aus Arkansas haben mit „Sorrow And Extinction“ (2012) und „Foundations Of Burden“ (2014) Genre-Duftmarken hinterlassen, von denen Großteile der überlaufenen Szene nur träumen können, Platten mit genau dieser einzigartigen Mischung aus tiefer Traurigkeit und erlösenden Supermelodien, die man als Fan der Klassiker von Sabbath bis Candlemass sein Leben lang sucht. Dass Frontmann Brett Campbell im Interview an anderer Stelle in diesem Heft nun vor allem Asia, Boston, Kansas und Yes als Haupteinflüsse angibt, sollte man dementsprechend nicht allzu ernst nehmen, genauso wenig wie die Aussage, dass PALLBEARER mittlerweile die Hooklines über alles stellen, denn genau daran, an überragenden Widerhaken, denen man beim Hören sehnsüchtig entgegenfiebert, mangelt es auf Album Nummer drei, für dessen sieben Songs man ´ne volle Stunde braucht, komischerweise ein wenig, einen „Hit“ findet man auch nach ausgiebigster Rotation nur, wenn man sich selbst ein bisschen was vormacht. Andererseits ist offensives Earcandy natürlich nicht alles: „Heartless“ (toller Titel, tolles Artwork!) funktioniert in seiner Gesamtheit so oder so schon aufgrund seiner mitnehmenden Atmosphäre als ernstzunehmende weitere Talentprobe, die man sich wirklich nicht nur kaufen sollte, wenn einem die aktuelle (natürlich richtig gute!) 40 Watt Sun viel zu ruhig tönt.

Autor:
Boris Kaiser

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