Review

Reviews 8.0

PAIN OF SALVATION

Be

Ausgabe: RH 209

(75:58)

Sein oder Nichtsein - das war halt immer schon die Frage. Und vor allem im Prog-Metal haben sich viele Mucker nach anderthalb Semestern Sozialpädagogik und Philosophie im Nebenfach bereits an umfassenden Antworten versucht. Die Schweden PAIN OF SALVATION führten ihre Lösungsvorschläge als so genanntes „Be“-Projekt im Sommer 2003 mehrfach als Rockshow mit Orchester, Maskeraden und Anflügen von Schauspiel auf (s. RH 198). Prima gemeintes, freundliches, manchmal arg platt kritisches Schulaula-Theater, das gerne schon mal ins unfreiwillig Komische abrutschte: Bei manchen Spoken-Word-Passagen fühlte man sich wirklich an alte Europa-Hörspiel-Zeiten erinnert und glaubte, Julian erklärt Dick, George, Anne und Timmy, dem Hund gerade den Lauf der Welt. Oder: „Der Club der toten Dichter“ für Banger. „Mona Lisas Röcheln“, sozusagen.

Die jetzt vorliegende Studioalbum-Version von „Be“ ist dennoch sehr empfehlenswert, was natürlich vor allem an der zum Großteil wirklich tollen Musik liegt. Alte PAIN OF SALVATION-Fans müssen allerdings aufpassen, denn Daniel Gildenlöw & Co. haben ihre Grenzen auf diesem Konzeptalbum einmal mehr deutlich verschoben und verwursten mittlerweile alle Stile, die ihnen unterkommen: Da wird´s jazzig, hier klingt man wie Faith No More, dort dominieren klassische Piano-Sounds das Geschehen, und zwischendurch zündet man breakverliebt eine Progressive-Rakete nach der nächsten. Das ist viel auf einmal (und sehr oft eher besinnlich als Schädel spaltend), sollte aber zumindest aufmerksame Hörer mit einschlägigem Genrewissen nicht verwirren - zumal vor allem in der zweiten Hälfte des Werks immer wieder neuere Fates Warning (und sogar Jim Matheos´ Gitarrensound) durchscheinen. Das Orchester unterstützt die rockigen Sounds äußerst gekonnt, die Arrangements haben Hand und Fuß, die Vocals decken sämtliche Gefühlslagen ab; lediglich die Produktion tönt seltsam trocken.

PAIN OF SALVATION haben alles gewagt und mit diesem musikalisch überzeugenden Werk viel gewonnen. Die ganze Chose hätte zweifellos deutlich stärker in die Hose gehen können...

Autor:
Boris Kaiser
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