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ORPHANED LAND

The Road To OR SHALEM

Ausgabe: RH 294

(Century Media/EMI)

Es klingt etwas schmeichelhaft, wenn Steven Wilson seine Kumpels von ORPHANED LAND nicht nur zur „besten Heavy-Metal-Band Israels" kürt, sondern das Quintett im Überschwang gar zu einer der „besten Bands der Erde" zählt. Klar, Wilson ist der wichtigste Bühnengast dieser Show und überbringt seinen Gastgebern in Tel Aviv selbstredend Nettigkeiten, aber der Porcupine-Tree-Kopf ist keinesfalls als oberflächlicher Lautsprecher, sondern als profunder Musikexperte bekannt. ORPHANED LAND sind die wichtigste Band im Orient und machen mit dieser DVD tatsächlich einen Quantensprung. Von Meistermixer Jens Bogren (Opeth, Paradise Lost) hervorragend in Szene gesetzt, begeistern die Israelis von der ersten Minute an mit einer dichten Soundwand aus knallhartem Live-Metal, Einspielungen (Orchester, Keyboards) und Gästen an Bouzouki, Percussion und Mikrofonen. Insbesondere Sängerin Shlomit Levi verleiht dem Abend mit ihrer klaren Stimme einen besonderen Glanz; nur Metaller, die vorzugsweise im Kühlschrank übernachten, dürften bei dieser Darbietung nicht dahinschmelzen.

ORPHANED LAND können sich dafür auf die Schulter klopfen, dass sie es fertigbringen, selbst mit Untergrund-Status alle Register einer solchen Produktion zu ziehen: unzählige Kameras, auch an den Instrumenten fixiert, eine volle Hütte mit begeisterten Fans, Videoleinwände und eine an Höhepunkten reiche Show, die zwischen progressivem Hartmetall und balladesken Tönen immer auch genügend Nahost-Flair vermittelt, um die Eigenständigkeit der Band zu unterstreichen. Auf natürliche Weise klingt diese DVD besser und direkter als die bisherigen Studioalben und vermittelt die musikalische Vision der Band nahezu perfekt. Abgerundet wird das Ganze von einer Dokumentation, die ein paar interessante Hintergründe zur Bandgeschichte erzählt. „Wir waren eine ganz normale Death-Metal-Band, ehe wir in Iron-Maiden-Shirts eine Synagoge besuchten, um der traditionellen Musik des Orients auf die Spur zu kommen." Im Mittelpunkt steht natürlich die sympathische Botschaft der Band, selbst in einer von Hass gebeutelten Krisenregion mit Musik alle Grenzen zu überwinden. Eine Aussage, die bis heute nicht überstrapaziert wirkt. Respekt!  

Autor:
Holger Stratmann
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