Review

Reviews 9.0

NOCTE OBDUCTA

Galgendämmerung

Ausgabe: RH 179

Ich mag Intelligenz im Black Metal, denn gerade in der schwarzen Welt wird sie immer seltener - obwohl jeder zweite Düstermann von Spirit fabuliert. Insofern registriere ich mit großer Freude, wie sich NOCTE OBDUCTA von der Spinnerei der Anfangstage zu einer wirklich großen Black Metal-Band entwickelt haben, wobei ich „groß" im Sinne von Geist, Anspruch, Tiefe, Faszination verstanden haben möchte. Die Verkäufe der Band sind mir hingegen scheißegal, denn NOCTE OBDUCTA (und das zeichnet wirklich großartige Bands aus) möchte man mittlerweile ungern mit jedem Prollfan aus Thüringen, Witten oder Berlin teilen.

„Galgendämmerung" ist gleichermaßen von tiefster Bosheit wie auch von fatalistischem Humor. Es wirkt absurd, wenn diese Band wunderbare, poetische Lyrik kreischend runterdeibelt und für Bandfotos mit Becks, Totenkopf, Literatur, Ananasfrüchten und einer Pistole posiert. Man darf (endlich wieder) alles - also auch lachen. Und wenn lachen erlaubt ist, dann wird der Moment der Furcht, der musikalische Abgrund um so durchschlagender. Die Melodien aus dem Hause NOCTE OBDUCTA peitschen dich, aber sie verenden nicht als bloße Headbanger-Aggression - vielmehr zwingen sie zum Eintauchen, Zuhören, Albträumen. Das tut zwar manchmal der Seele weh, aber es fasziniert. Und welche Black Metal-Band kann heutzutage schon von sich behaupten, dass sie ihre Hörer fasziniert?

Autor:
Wolf-Rüdiger Mühlmann
AMAZON EMPFEHLUNG

Melde dich für unseren Newsletter an und verpasse nie mehr die wichtigsten Infos