Review

Reviews 8.5

NEUROSIS

Honor Found In Decay

Ausgabe: RH 306

Plusminus

Neurot/Cargo (59:34)

Manche sagen, dass NEUROSIS stilistisch nicht einzuordnen seien, weil sie einen eigenen Stil mit Alleinvertretungsanspruch kultiviert haben. Dies mache den Sound der Band grenzenlos. Andere wiederum sind der Auffassung, dass es durchaus Grenzen gibt, und diese seien gerade bei diesem Sextett eng gesteckt - und vor allem auf Perlen wie „Times Of Grace“, „A Sun That Never Sets“ und „The Eye Of Every Storm“ komplett ausgereizt worden. Harte Kritiker behaupten, beim 2007er Album „Given To The Rising“ Abnutzungserscheinungen herausgehört zu haben. Das ist zwar Blödsinn, aber zumindest kann man nicht verhehlen, dass es NEUROSIS bei aller kompositorischen Qualität unterlassen hatten, sich auf jenem Longplayer neu zu erfinden. Es ging „nur“ noch um Feineinstellungen. Gleiches gilt auch für das nunmehr zehnte Studioalbum, zu dem man anfangs äußerst schwer Zugang bekommt. Klobig, schroff und wenig einladend erscheinen einem die monolithischen, bis zu zwölf Minuten langen Stücke, die wie eine zerhackte, negative, dunkle, apokalyptische Fortsetzung von „Given...“ anmuten. Erst nach vielen Hördurchläufen entdeckt man den schwerfälligen, ureigenen Fluss, auch wenn von fließen nur sehr bedingt die Rede sein kann. Hat man diese Hürde genommen, findet man ein brillantes Stück bleierner Schwere vor. NEUROSIS´ Neuerungen betreffen weniger das eigentliche Songwriting, sondern vor allem die Atmosphäre. Und so ist auch „Honor Found In Decay“ ein Edelstein im Psycho-Geröll.

Wolf-Rüdiger Mühlmann
8,5

NEUROSIS waren irgendwann mal Vorreiter. Sie tasteten sich von ihren Hardcore-Roots Schritt für Schritt immer tiefer in dunkel-epische Apokalypsen, die tatsächlich mitrissen und in jeder Rezension inflationär das Prädikat "atmosphärisch" verliehen bekamen. Momentan wimmelt's in den ganzen Post-, Psycho- und Sub-Doom-Szenen allerdings nur so vor Atmosphärikern. Und von denen sind viele besser als die Urväter. Man kann es respektlos nennen - oder einfach nur ehrlich: 2012 blitzt wahre Größe kurz im Opener 'We All Rage In Gold' auf. Auch Anna Browns Gastperformance in 'My Heart For Deliverance' ist ein flüchtiger Gänsehautmoment. Man hofft dann auf 'ne tolle Platte - und bekommt doch nur 'ne leblose Hülle. 
? Wurde früher gern das Wort "Lava" als Beschreibung für den unheilbringenden, unaufhaltsamen Malstrom diverser Bandhits verwandt, tröpfelt heute ein Rinnsal bedeutungsschwangerer Langeweile aus den Boxen. Emotionsschwach, schablonenhaft und erschreckend lustlos. Beim ersten Durchlauf bin ich dreimal eingepennt. Das zweite Mal habe ich mit ständigem Zucken im Skiptasten-Finger haarscharf durchgehalten. Beim dritten Versuch habe ich echt schlechte Laune bekommen und will da gar nix mehr entdecken.

Jan Jaedike
4

Autor:
Jan Jaedike
Wolf-Rüdiger Mühlmann
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