Review

Reviews 5.0

METAL CHURCH

Masterpeace

Ausgabe: RH 147

Hand auf's Herz, Leute: Die Nachricht der METAL CHURCH-Reunion war neben der Rückkehr der eisernen Jungfrauen doch nun die News schlechthin. Hätte mir damals jemand gesagt, ich würde jemals kritische Worte über die Band finden, ich hätte denjenigen gevierteilt und verbuddelt. Ich weiß noch, wie begierig ich Biergott Albrecht (Wie meinen, Gärbottich Trojan? - fa) die Rock Hard-Dynamit-CD aus der Hand gerissen habe. "Pound Of Cure' sollte schließlich die Krönung meines Abends werden, denn schließlich war es das erste Lebenszeichen der Götter-Rückkehr. Doch welch herbe Enttäuschung: eine mittelprächtige Rock-Nummer, die zwischen Suicidal Tendencies und Machine Head auch soundtechnisch völlig abkackte. Okay, abgehakt, vielleicht war das ja nur ein Rough Mix. Einige Tage später dann folgte das endgültige Produkt - und fertig war das Desaster. Was die (ehemaligen) Vorreiter aller Power Metal-Bands mit "Masterpeace" einleiten, ist nichts anderes als ihr eigenes Begräbnis. Es gibt mehrere Kritikpunkte: Wer Hymnen und Alltime-Favourites wie "Beyond The Black", "Battalions" oder "Ton Of Bricks" geschrieben hat, dem traut man solch ein mieses Songmaterial wie auf "Masterpeace" gar nicht zu. Fast 55 Minuten lang lassen METAL CHURCH anno "99 jegliche Innovation und Power vermissen, die sie so stark gemacht haben. Mit Ausnahme der beiden Halbballaden "They Signed In Blood" und "Kiss For The Dead", dem Doublebass-Hammer "Falldown" und dem treibendem "Sand Kings" hält das Machwerk fast ausschließlich musikalische Belanglosigkeiten bereit. Abgesehen davon ist das Material streckenweise altmodisch und klingt - wohlwollend ausgedrückt - nostalgisch. Es fehlt einfach der entscheidende kick in the ass, der den Unterschied zwischen einem schwachen und einem guten Song ausmacht. Ein weiteres Hindernis ist die Produktion, die in punkto Heaviness und Energie sogar noch weit dem dünn produzierten Vorgänger-Werk "Hanging In The Balance" hinterherhinkt. Druck- und kraftlos erreichen Gitarren und Drums meist nur Proberaum-Niveau, es halten sich die Gerüchte, daß das Label der Band die Jungs nochmal angewiesen hat, die Scheibe nachzumischen. Zu guter Letzt werden mir einige Die-Hard-MC-Lunatics jetzt die Krätze an den Hals wünschen, aber Mike Howe war und ist Welten besser als David Wayne. Mr. Wayne hat bei einigen Stücken doch arge Interpretationsschwierigkeiten, sein dünnes Organ leidet am meisten unter der schlappen Produktion. Die Stimmschwierigkeiten wurden auf dem legendären '85er-Debüt von dem überdimensionalen Songmaterial überlappt, beim Nachfolger-Kracher "The Dark" von dem göttlichen Zaubersound von Mark Dodson. So ist "Masterpeace" in vielerlei Hinsicht eine herbe Enttäuschung und grenzt an Majestätsbeleidigung.

Autor:
Frank Trojan
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