Review

Reviews 8.0

METAL CHURCH

Masterpeace

Ausgabe: RH 147

Wohl kaum ein Album der letzten Jahre ist mit größerer Spannung von der versammelten Gemeinde erwartet worden als das Comeback-Scheibchen der Power Metal-Götter aus dem US-Nordwesten. Es hat durchweg gemischte Reaktionen hervorgerufen, phasenweise gar für arg enttäuschte Gesichter gesorgt. Ich persönlich finde dennoch, daß es massiv überzogen ist, die Scheibe trotz ausreichender Redaktionscharts-Plazierung aus der "10 x Dynamit"-Rubrik zu verbannen, weil die Herren Kollegen der Meinung sind, "Masterpeace" würde auf gar keinen Fall neben den Classics der 80er bestehen können. Nur soviel: Es wäre schön, wenn alle namhaften Acts mit der gleichen Scharfrichtermentalität behandelt würden. Auch eine ähnlich umstrittene Scheibe wie Judas Priests "Jugulator" bekam ihre faire Chance und landete nach wochenlangen Diskussionen im November '97 dennoch auf Platz eins der Richterskala. (Tja, und "Masterpeace" eben leider nicht, weil die Scheibe nicht nur schwächer ist als sämtliche METAL CHURCH-Vorgänger, sondern auch schwächer als "Jugulator". Was also soll das Theater, Herr Breusch? - Red.) Wenn man die ewig nostalgische "Früher war alles besser, geiler, optimaler"-Brille mal für eine Zeitlang zur Seite legt, sollte man anerkennen können, daß die Herren Vanderhoof, Wayne & Co. KG trotz des unverständlich schlecht abgemischten Gesamtsounds ein über weite Strecken hörbares, gutklassiges, phasenweise sogar brillantes Album hingelegt haben. Natürlich ist es nicht so urwüchsig-spektakulär wie das Debüt, natürlich hat es nicht so viele geniale Kompositionen zu bieten wie "The Dark" oder "Hanging In The Balance", und leider, leider reicht es vor allem klangtechnisch im Leben nicht an einen Bombast-Sound-Überflieger wie "Blessing In Disguise" heran. Mal ganz abgesehen vom Cover-"Artwork", das man am besten nach dem Kauf mit einem Edding schwärzen sollte, so unverschämt billig und einfallslos hat ein scheinbar völlig überforderter "Designer" das neu aufgelegte Gitarrenmotiv des '84er Erstwerks am Computer verhunzt. Aber eines ist für meinen Geschmack unanfechtbar: Der rein musikalische Gehalt des Albums geht völlig in Ordnung. Die Kompositionen von "Masterpeace" sind lebendig und schlagen ein neues Kapitel in der METAL CHURCH-Geschichte auf, ohne die glorreiche Vergangenheit abzukupfern. Hört's euch an und entscheidet selbst. Beispielsweise den treibenden Opener 'Faster Than Life', der mit einer kultigen dreisekündigen Deep Purple-Sequenz loslegt (Inspiration: 'The Gypsy'). Oder die Doublebass-befeuerte Melody-Power-Hymne 'Falldown'. Oder das schwerblütig-atmosphärische 'They Signed In Blood'. Oder den doomigen Groover 'Sleeps With Thunder'. Oder den obergeilen Epic-Killer 'Kiss For The Dead', eine mächtige Nummer mit einem Touch good old Queensryche. Langer Schwafel, kurzer Sinn: Give "Masterpeace" a chance!

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