Review

Reviews 8.0
Alternative Gothic Metal

MAGGOT HEART

Mercy Machine

Label: Rapid Eye
Dauer: 40:35
Erscheinungsdatum: 10.07.20
Ausgabe: RH 398

Daraus, dass MAGGOT HEART auch ein Produkt ihrer Wahlheimat Berlin sind, macht die Schwedin Linnéa Olsson (ex-Sonic-Ritual/The-Oath/Beastmilk/Grave-Pleasures) kein großes Geheimnis, ihre als Trio eingespielte Musik evoziert tatsächlich sofort den urbanen Raum, Beton, Graffiti und verkommene Hinterhöfe, die Bilder, die sie hervorruft, entstammen am Ende aber eher dem „Cinema of Transgression“ von Richard Kern oder Nick Zedd, also dem New York der achtziger Jahre, sicherlich auch deswegen, weil die noisigen Spitzen an andere damalige ProtagonistInnen wie Lydia Lunch oder Sonic Youth gemahnen. Zum vorherrschenden Indie Rock, Post-Punk und Ur-Wave gesellt sich nun - die gemeinsame Amerika-Tour ist nicht ohne Folge geblieben - eine weitere Sound-Facette vor allem in den Gitarren, die man von rockigeren Voivod kennt, von den ganz aktuellen („The Wake“), aber auch der genialen Endachtziger/Frühneunziger-Inkarnation mit „Nothingface“ und „Angel Rat“. Natürlich ist das in seinem Gestus und Habitus tendenziell alles ziemlich prätentiös, in der aktuellen Situation mit Cocooning als Gesellschaftsauftrag wirkt´s sogar wie aus der Zeit gefallen, aber wer weiß schon, was kommt und welches Wasteland musikalisch untermalt werden muss, es kann nicht schaden, für alle Gegebenheiten den passenden Soundtrack zu haben. Und ja, meinetwegen funktioniert „Mercy Machine“ am Ende auch einfach nur als Song-Album, in erster Linie hinten raus, wenn die Melodien Oberhand gewinnen, bei ´Lost Boys´ oder vor allem ´Senseless´, das in seiner Zerbrechlichkeit das Zeug zum Hit hat, beim Roadburn nachts um drei, wenn die Küsse noch nach Bier und Dope schmecken, aber ein kleines bisschen auch nach Abschied.

Autor:
Boris Kaiser
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