Review

Reviews 5.0

MACABRE

Sinister Slaughter

Ausgabe: RH 71

Klasse, endlich ist die neue MACABRE-LP da. Ich fahre schon seit längerem auf den völlig wahnwitzigen Sound dieser Ami-Formation ab, die auf ihre Art völlig eigenständig ist. Selbstverständlich sind MACABRE om Prinzip her in die Death Metal-Ecke zu drängen, aber sie haben etliche Elemente in ihren Songs, die es ihnen ermöglichen, den vorgegebenen Rahmen mehr als nur einmal zu sprengen. Die Songs werden größtenteils in unmenschlichem Tempo geprügelt, jedoch immer wieder mit technischen Feinheiten verziert. Vor allem die Gitarren und das Schlagzeug stehen auf verdammt hohem Niveau, weiterhin wissen MACABRE genau, wie ihre verschiedenen Soundfragmente am besten zusammenpassen, so daß die abgefahrenen Songstrukturen ein zusammenhängendes Bild ergeben, dem jedermann folgen kann. Gewöhnungsbedürftig ist sicherlich der Gesang, den man als solchen an sich gar nicht bezeichnen sollte. Es geht eher darum, die in den Texten beschriebenen Charaktere und das, was in ihren Gehirnen vorgeht, akustisch wiederzugeben. Das endet dann nicht selten in einem wahnsinnigen Geschreie und Gejammere, manchmal aber auch in haßerfüllten Growls. Perfekt umgesetzt, keine Frage. Doch die Sache hat einen entscheidenden Haken: Die Texte drehen sich ausnahmslos um Massenmörder, die Beschreibung ihrer Taten, und zwar möglichst detailgetreu. Die Ausrede, daß MACABRE nur verdeutlichen wollen, was in den Köpfen dieser Leute vorgeht, zieht bei mir nicht, denn dafür sind die Lyrics zu plump. Das Ganze kommt fast einer Glorifizierung nahe, und das halte ich für äußerst bedenklich. Nun mag man mir vorwerfen, daß ich mich bei Cannibal Corpse auch kaum über die Texte aufrege. Laßt es mich aber so umschreiben: Cannibal Corpse ist, als wenn man sich 'nen mittelmäßigen Gore-Streifen anschauen würde. Dagegen wirken die Lyrics von MACABRE so, als wenn man ein Video mit Aufnahmen aus dem Balkan-Krieg über die Mattscheibe flimmern läßt. Das hat mit Entertainment soviel zu tun wie Reality-TV mit seriöser TV-Unterhaltung. Die Musik und den künstlerischen Wert der Umsetzung alleine würde ich glatt mit 8,5 Punkten bewerten, für die Texte muß es aber einen fetten Punktabzug geben. Bleiben noch fünf Points für eine Band, die ich aufgrund ihrer Mucke wirklich gerne unterstützen würde, die es mir durch ihren "literarischen" Output aber nicht gerade leicht macht.

Autor:
Frank Albrecht
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