Review

Reviews 7.5
Black Metal Doom Metal

LOTUS THIEF

Oresteia

Label: Prophecy/Soulfood
Dauer: 39:23
Erscheinungsdatum: 10.01.2020
Ausgabe: RH 393

Die wenigen bedauernswerten Rock-Hard-Leser, die weder ein altsprachliches Gymnasium besucht noch auf der Universität das Graecum nachgeholt haben, seien darüber aufgeklärt, dass es sich bei der Tragödien-Trilogie „Oresteia“ von Aischylos um eines der bedeutendsten Werke des antiken Theaters handelt, dessen Strahlkraft und Einfluss bis weit in die dramaturgische Gegenwart reicht. Wenn also die selbsternannten US-Avantgardisten von LOTUS THIEF ihr drittes Werk nach ebendiesem geistesgeschichtlichen Meilenstein benennen, muss man bildungshuberische Scheiße befürchten. Doch das Urteil fällt weniger harsch aus: Überambitioniert und allzu raunend kommt die inhaltliche Neuinterpretation des Klassikers schon daher, aber die betörend mehrstimmige Gesangsinszenierung, unterstützt mit musikalischen Mitteln des Ambient, Doom und postrockigen Black Metal, entfaltet einen sanften Sog, der einen auch ohne große Sehnsucht immer mal wieder in dieses Album hineinhorchen lässt. Ein Schätzchen für obsessive Wikipedia-Surfer, Studierende der Theaterwissenschaften und andere verlorene Seelen.

Autor:
Thorsten Dörting
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