Review

Reviews 8.5

KAMELOT

The Black Halo

Ausgabe: RH 215

(57:21)

Prinzipiell gleiten Metal-Konzeptalben, die sich zudem noch mit vergangenen Epochen befassen, sehr gerne ins Kitschige ab. Helden in Strumpfhosen entdecken die Hochkultur und scheitern leider meistens an ihren eigenen Ansprüchen. Umso großartiger, dass jetzt gerade die amerikanisch-norwegische Kollaboration KAMELOT, die zumindest meine Wenigkeit schon seit Jahren nicht mehr so richtig begeistern konnte, zeigt, dass es durchaus möglich ist, ein hoch komplexes Jahrtausendwerk wie Goethes „Faust" als Einfluss heranzuziehen, ohne daran zu scheitern.

Dabei geht man im Vergleich zum Vorgänger „Epica", der sich mit demselben Thema beschäftigte, wesentlich düsterer zu Werke und verleiht dem neuen Material eine wunderschöne bombastische Melancholie, die niemals selbstzweckhaft zum Einsatz kommt, sondern sich wie der wichtigste rote Faden durchs ganze Album zieht. Unterstützt von Gastmusikern wie Jens Johansson (Stratovarius), Shagrath (Dimmu Borgir; als Mephisto) oder Simone Simons (Epica), haben Thomas Youngblood, Roy Khan (der in ruhigeren Momentan mehr denn je wie, ähem, Karel Gott klingt) und ihre Sidekicks elf abwechslungsreiche, mit großartigen Hooklines versehene Pretiosen aufs Band gezimmert, die nahezu die gesamte Konkurrenz alt aussehen lassen und in den Superohrwürmern ´When The Lights Are Down´ und ´The Black Halo´, dem Dynamit-CD-Beitrag ´The Haunting (Somewhere In Time)´, der tollen Ballade ´Abandoned´ und dem neunminütigen ´Memento Mori´ ihre Höhepunkte finden. Einziger Kritikpunkt: der etwas zu großzügige Einsatz der Keyboards, bekanntlich schon immer ein schmaler Grat im Heavy Metal.

Fazit: „The Black Halo" ist das beste Melodic-Metal-Album seit langer Zeit.

Autor:
Boris Kaiser
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