Review

Reviews 8.0

KAMELOT

Epica

Ausgabe: RH 188

(52:19)

Die Florida-Metaller, seit ihrem Auftauchen Mitte der Neunziger einer der wenigen einsamen Hoffnungsträger der Melodic-Szene, gehören mit ihrem sechsten Studioalbum in acht Jahren beinahe schon zum alten Eisen - und machen großen Teilen der mittlerweile weit üppiger bevölkerten Konkurrenz mit ihren melodisch eingängigen Kompositionen immer noch locker die Fahrt vor. Dabei beeindruckt vor allem die Konstanz, mit der Gitarrist Thom Youngblood und seine Komplizen in schöner Regelmäßigkeit überdurchschnittlich starke Alben veröffentlichen.

Auch "Epica" fällt nicht aus dem Rahmen und überzeugt mit seiner Mischung aus gekonntem Melodiehandwerk, dezenten progressiven Ausflügen und einer fein nuancierten, abwechslungsreichen Instrumentierung. Die Scheibe erinnert schon durch ihre mystisch dunkel gefärbte Atmosphäre und ihren im Opern-Stil gehaltenen Aufbau schwer an ein mittelalterlich angehauchtes Konzeptalbum (der rote Faden orientiert sich an Goethes "Faust"). Ex-Conception-Sänger Roy S. Khantatat, der sich seit seinem Abschied bei den Norwegern vor fünf Jahren nur noch Khan nennt, hat es darüber hinaus erneut verstanden, den Tracks mit seiner variablen und kraftvollen Stimme, die dem Gepiepse und Gefiepe vieler Kollegen meilenweit voraus ist, Seele einzuhauchen.

Ein gewisser Fiep-Faktor ist dennoch vertreten: Mit Maria Titania haben KAMELOT eine Gastsängerin an Bord, die neben diversen Background-Vocals auch eine Nummer alleine übernommen hat: ´Helenas Theme´ erinnert dabei so deutlich an Pieps-Göttin Kate Bush, dass man im ersten Moment meint, die britische Legende hätte tatsächlich den Weg ins Wolfsburger Pathway-Studio gefunden.

Anspieltipps sind der Power-Opener ´Center Of The Universe´, das schwerblütige, im Candlemass-Stil abrollende ´The Edge Of Paradise´ und der im Stil besserer Yngwie-Zeiten inspirierte Ohrwurm ´Lost & Damned´.

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