Review

Reviews 9.0
Classic Rock Progressive

KADAVAR, ELDER

Eldovar - A Story Of Darkness & Light

Label: Robotor/Rough Trade
Dauer: 44:39
Erscheinungsdatum: 03.12.21
Ausgabe: RH 415

Kaum ist die Platte zu Ende, denkt man: „Verdammt, warum geht das hier jetzt nicht weiter?“ Die gemeinsame Aufnahme von Kadavar und Elder ist trotz „normaler“ LP-Länge eine ziemlich kurzweilige Angelegenheit. Vermutlich liegt´s an den schwelgerischen Klangreisen, die - ohne kommerzielle Hintergedanken spontan konzipiert - einen guten Teil dieses Albums ausmachen. Hier steht die Zeit förmlich still. Aber kaufen muss man „A Story Of Darkness & Light“ natürlich wegen der vier hauptamtlichen Titel, angefangen beim fantastischen ´From Deep Within´. Neuneinhalb Minuten. Was für eine irre Komposition! Was für eine dynamische Abfolge von Gitarrenklängen, mehrstimmigen Vocals, satt einsteigenden Drums und pumpenden Bässen! Wiederholen tut sich hier allerdings nur wenig. Der Hörer darf sich diesen Song, der trotzdem ohne jedes Prog-Gefiedel auskommt, erarbeiten.

Nach dieser emotionalen Achterbahnfahrt ist das vermeintlich gewohnte Terrain von ´In The Way´ erst mal eine wohltuende Angelegenheit. Akustikgitarren, der unschwer zu erkennende Gesang von Lupus Lindemann und eine Prise Folk erinnern an die Leichtigkeit bluesiger Led-Zeppelin-Balladen. Doch kaum glaubt man, die Nummer im Griff zu haben, unterbricht ein Kanon mit einer sich auftürmenden Geräuschwand die Wohlfühlkulisse, und eine mehrstimmige Gitarrensalve im Stil der guten alten Iron Maiden führt den Song an sein abruptes Ende. Danach lässt das zärtliche ´El Matador´ die A-Seite mit einem E-Bow-Solo ausklingen. Ganze acht Minuten vergehen indes, bis ´Rebirth Of The Twins´ und ´Raspletin´ mit viel Krautrock-Stimmung das elfminütige ´Blood Moon Night´ eingeleitet haben. Hier vermengt sich der trockene Groove der Ur-Black-Sabbath mit der Unverfrorenheit der Beatles zu einem aufregenden Molotow-Cocktail, der in bester Stoner-Rock-Manier natürlich noch zum Explodieren gebracht wird. Nach diesem Höhepunkt kann man ´Cherry Trees´ nur noch als Outro bezeichnen. Und dann ist die Platte tatsächlich zu Ende.

Was bleibt? ELDOVAR erlauben sich die Frechheit, Musik einmal unkonventionell zu denken. Wo hören hier Songs auf, und wo fangen sie an? Und welcher Stil ist das überhaupt? Im Prinzip vermengt sich hier der Riffrock von Kadavar mit den progressiven Qualitäten von Elder. Viel Classic Rock und Psychedelia, aber auch mehrstimmige Melodien, die stellenweise fast ins Sinfonische reichen. Berücksichtigt man noch die zurückhaltend-elegante LP-Verpackung mit Fotos von Lindemann, muss man diesem Produkt in jeder Hinsicht ein Höchstmaß an Persönlichkeit und Individualität attestieren. Das ist ganz sicher der Stoff, aus dem Kritikerträume gemacht sind. Kopfhörer-Musik für Winter-Abende. Ich glaube aber trotzdem fest daran, dass diese Platte ihr Publikum finden wird. Ein Publikum, das von schablonenhafter Musik viel zu lange ausgehungert wurde.

Autor:
Holger Stratmann
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