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HIS DARK MATERIALS (Del Rey/Heyne)

Herausragende neue Autoren sind im Fantasy-Sektor so selten wie in kaum einem anderen Genre. Angesichts der schlechten Verkaufsmöglichkeiten für unabhängige Romane ist es allerdings auch kein Wunder, daß begabte Newcomer sich lieber im Mainstream-Belletristik-Bereich oder vielleicht noch auf der zumindest ansatzweise lukrativen Science Fiction-Spielwiese austoben. Auf klassischem Sword & Sorcery-Terrain regieren schon seit Jahren die zumeist grottenschlechten Rollenspiel-Buchadaptionen oder billige Endlos-Serien, die oft kaum das Niveau zweitklassiger Heftromane erreichen. Fast schon logisch, daß die wenigen Lichtblicke Quereinsteiger sind - wie Philip Pullman, ein britischer Autor, dessen Kinderbücher ihn im englischen Sprachraum zu einer kleinen Berühmtheit werden ließen.

Auch seine aktuelle Trilogie „His Dark Materials“ ist auf den ersten Blick ein phantastisches Abenteuer für Teenies. Doch hinter der in zumeist sanften Farben und mit enormer Sprachgewalt gezeichneten Fassade eines antiquierten Englands, in dem alle Menschen eine personifizierte Seele in Form eines Tieres besitzen, warten tiefschürfende philosophische Diskurse auf den, der sich auf sie einlassen möchte. Pullman schreibt sowohl für entdeckungsfreudige Kids als auch für nachdenkliche, geistig flexibel gebliebene Erwachsene und steht damit in der Tradition einer britischen Schreibschule, die durch C.S. Lewis´ „Narnia“-Romane nachhaltig geprägt wurde und sich im hüftsteifen Dichter & Denker-Staat Deutschland mit Ausnahme einiger Michael Ende-Bücher leider nie etablieren konnte.

Neben seinem exzellenten Stil und den geschickt verpackten intellektuellen Inhalten begeistert Pullman vor allem mit seiner Fähigkeit, eine eindrucksvolle, atmosphärisch dichte Welt zu erschaffen und den Spannungsbogen scheinbar endlos in die Länge zu ziehen. Wenn seine kleine Heldin Lyra bei ihrer Suche nach den magischen Staubpartikeln, hinter denen sich Brücken in andere Galaxien verbergen, von einer brenzligen Situation in die nächste purzelt, bleibt der Abwasch liegen, die Post ungeöffnet, und wenn man nicht aufpaßt, brennt die Lesekerze so weit runter, daß der Nachttisch Feuer fängt.

Bislang sind im englischen Original die ersten beiden Bände „The Golden Compass“ und „The Subtle Knife“ erschienen, die auch in einer (allerdings nicht sonderlich gelungenen) deutschen Übersetzung vorliegen („Der Goldene Kompaߓ bzw. „Das magische Messer“). Der Abschlußband „Amber Spyglass“ ist leider erst für Mai 2000 angekündigt.

Autor:
Michael Rensen

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