Review

Reviews 9.0

HEAVEN SHALL BURN

Iconoclast

Ausgabe: RH 249

(58:17)

Seinen Stil zu verfeinern und mit neuen Elementen aufzupeppen, ohne dabei den Grundsound so zu verändern, dass die Fangemeinde auf die Barrikaden geht, ist eine schwierige Übung, an der schon viele Bands gescheitert sind. Nicht so HEAVEN SHALL BURN. Denn die klingen auf „Iconoclast“ so wie immer - und doch ganz anders. Was geblieben ist, sind die todesmetallischen Riffwalzen, die kompromisslos herausgebrüllten Vocals und - vielleicht das Wichtigste - der Wiedererkennungswert ihrer Songs. Da sind die Thüringer ihrer Konkurrenz schon seit längerem um Meilen voraus.

Neu ist der Mut zur Gelassenheit. Es muss nicht die ganzen 58 Minuten lang die Aggro-Keule geschwungen werden. Es gibt durchaus auch Platz für ruhige Momente, die überraschenderweise prima in den Gesamtkontext passen. ´A Dying Ember´ ist ein schönes Beispiel dafür. Auch die Verneigung vor der schwedischen Death-Metal-Szene war in der Vergangenheit noch nicht so deutlich bei HEAVEN SHALL BURN hörbar. Und damit meine ich nicht nur die hübsche Edge-Of-Sanity-Coverversion ´Black Tears´, sondern die feinen Melodieführungen in Tracks wie ´Against All Lies´ oder ´Like A Thousand Suns´. Nicht zu vergessen das fantastische Instrumental ´Atonement´, in dem die ganz große Peter-Tägtgren-Schule zelebriert wird. Interessant ist auch die Verbindung aus Bolt-Thrower-Harmonien und harten Industrial-Beats in ´Murderers Of All Murderers´. Das kann auch nicht jeder!

„Iconoclast“ ist also mal wieder ein Vorschlaghammer von einem Album - mit einem klitzekleinen Schönheitsfehler: Gemeint ist der pappige, etwas drucklose Drumsound. Umso bedauerlicher, wenn man bedenkt, was für einen Punch Schlagwerker Matthias live hat. Das sollte aber letztlich niemanden davon abhalten, sich diese Scheibe in die Sammlung zu stellen.

Autor:
Frank Albrecht

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