Review

Reviews 9
Speed Metal

HEATHEN

Empire Of The Blind

Label: Nuclear Blast/Warner
Dauer: 46:16
Erscheinungsdatum: 18.09.2020
Ausgabe: RH 400

HEATHEN sind eh schon bekannt für die extrem langen Abstände zwischen ihren Alben, und die jahrelangen Exodus-Aktivitäten von Gründungsmitglied Lee Altus (seit 2005 in beiden Bands) sowie Kragen Lum (Live-Ersatz für Gary Holt während dessen Slayer-Zeit) haben „Empire Of The Blind“ weiter verzögert. Immerhin konnten sich die beiden dabei prächtig aufeinander einspielen und sind fraglos zu einem der besten Gitarrenduos der Szene zusammengewachsen. Ihr brachialer Low-End-Sound, ihre rasante Riff-Power und ihre furiosen Highspeed-Soli kommen auch bei HEATHEN voll zur Geltung, werden aber in einen etwas anderen Kontext als bei Exodus und den meisten Bay-Area-Kollegen gesetzt. Die Heiden sprengen aufgrund ihrer vielfältigen Einflüsse nämlich immer wieder die Thrash-Kategorie. So sorgt Frontmann David White mit seinem klaren Gesang und seinen ausgefeilten Melodielinien für einen Brückenschlag zum US-Metal, der u.a. beim packenden Titelstück sowie den eingängigen ´Dead And Gone´ und ´In Black´ zum Tragen kommt; zudem glänzt er bei der Ballade ´Shrine Of Apathy´. Die progressiven Elemente waren zwar immer schon Bestandteil der Band-DNA, werden aber durch Kragen noch verstärkt, der hier erstmals federführend für das Songwriting zuständig war. Exemplarisch dafür steht das technische Instrumental ´A Fine Red Mist´, in dem er sich wie weiland bei Prototype austobt. Außergewöhnlich ist die zwischen balladesken Anklängen und Stakkato-Riffs gratwandernde Hymne ´Sun In My Hand´, die von der Machart her etwas an Metallicas ´Harvester Of Sorrow´ erinnert. Sie klingt für HEATHEN-Verhältnisse recht modern, was im Übrigen auch für den Sound des Albums gilt, für den der eher aus der Hardcore-Ecke kommende Produzent Zeuss (u.a. Hatebreed, Queensryche) verantwortlich zeichnet. Er klang mir zunächst zu stark komprimiert, aber inzwischen habe ich mich gut an ihn gewöhnt, zumal derbe Thrasher vom Schlage ´The Blight´ und ´The Gods Devide´ damit umso fetter knallen. Ich freue mich jetzt schon wie Bolle auf den Gig beim nächsten Rock Hard Festival!

Autor:
Marcus Schleutermann
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