Review

Reviews 8.0
Folk Metal

FEUERSCHWANZ

Das elfte Gebot

Label: Napalm/Universal
Dauer: 43:51
Erscheinungsdatum: 26.06.2020
Ausgabe: RH 398

Es gibt, historisch gesehen, eine ganze Menge Gründe, FEUERSCHWANZ blöd zu finden. „Das elfte Gebot“ liefert keine, stattdessen ist es das Zeugnis einer bemerkenswerten Entwicklung: Aus dem indiskutablen Comedy-Act von einst ist eine ernstzunehmende Mittelalter-Metal-Band geworden. Schon der Opener ´Meister der Minne´ besticht mit einer fabelhaften Hookline, feiner Instrumentierung und einer einfallsreichen, harten Gitarrenarbeit, beim Titelsong schleicht sich bei allem Hedonismus gar eine Spur Melancholie ins Geschehen. Andere Highlights sind ´Malleus Malleficarum´ mit einer Melodie, die leicht an metallischere Ghost erinnert, das thrashige ´Totentanz´ und ´Schildmaid´, das mit einer feinen Geigenmelodie und einem sehr abwechslungsreichen und dynamischen Groove die Geschichte einer einsamen Kriegerin erzählt. Die wenigen typischen Trinklieder kann man mögen oder auch nicht, in letzterem Fall sind sie leicht zu ignorieren neben den genannten Hits. Es wird spannend, wie andauernd diese Wandlung ist, für den Moment jedoch ist „Das elfte Gebot“ eine der erfreulichen Überraschungen des Jahres.

3 Fragen an Peter „Hauptmann Feuerschwanz“ Henrici:

Was ist das elfte Gebot?

»Einerseits das Grundprinzip von FEUERSCHWANZ. Wir waren eine energetische Partyband und sind das auch immer noch. Gleichzeitig haben wir mit dem Song ´Das elfte Gebot´ eine neue Tiefe erreicht. Wir haben über die Sterblichkeit und die Zerbrechlichkeit von Leben nachgedacht. Das möchten wir mit allen teilen.«

Ihr seid auch aufgrund eures Humors eine relativ kontroverse Band, gleichzeitig ist euer neues Album in weiten Teilen recht ernsthaft. Wie ist es dazu gekommen? Und seht ihr das überhaupt auch so?

»Wir sehen das auch so. Wir sind letztes Jahr 15 geworden, und man sieht, dass es da sowohl musikalisch als auch textlich eine Entwicklung gibt. Dabei haben wir unseren Kern aber im Grunde nicht verlassen. Wir sagen, der Drache ist groß geworden, braucht ´nen härteren Sound und manchmal auch tiefere Aussagen.«

Wie sehr haben euch die Sexismus-Vorwürfe getroffen, mit denen ihr konfrontiert wart?

»Das hat uns sehr beschäftigt. Im Grunde sind wir an der internen Beantwortung des Themas gewachsen. Wir haben viele Band-Fahrten lang diskutiert, und das hat uns weitergebracht. Uns ist dabei klar geworden, dass wir hinter der Fassade des derben Humors eigentlich eine fortschrittliche Band sind. Bei uns gibt es keine geschlechtsspezifischen Aufgaben, alle machen das, was sie am besten können, so ist unsere Geigerin auch unsere Managerin. Und alle müssen manchmal Sachen machen, auf die niemand sonst Bock hat. So ist das in ´ner Band (lacht).« (tb)

Autor:
Tobias Blum
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