Review

Reviews 10.0

EXODUS

Another Lesson In Violence

Ausgabe: RH 121

Ein Album, das vor mehr als zehn Jahren veröffentlicht wurde und sich in der letzten Ausgabe des Rock Hard immer noch in den Playlists von Gas Lipstick (Kyyria) und John Edlund (Tiamat) wiederfand, muß etwas Besonderes an sich haben. Gemeint ist das mittlerweile legendäre EXODUS-Debüt "Bonded By Blood". Ein Longplayer, der wegweisend für unzählige Bands war und mit dafür sorgte, daß Mitte der 80er der Thrash-Boom aus der Bay Area nach Europa schwappte. Anno 1997 haben sich die fast im Original-Line-up reformierten EXODUS (lediglich Basser Rob McKillop wurde durch Neuzugang Jack Gibson ersetzt) daran gemacht, ihren wohl größten Klassiker plus einige Bonus-Nummern ('Pleasures Of The Flesh', 'Seeds Of Hate' und 'Brain Dead' vom zweiten Studioalbum "Pleasures Of The Flesh" sowie das bisher lediglich auf Live-Tapes und Demos erhältliche 'Impaler') neu einzuprügeln.Bot die Originalveröffentlichung aufgrund der ziemlich dürftigen Produktion noch Anlaß zur Kritik, so bringt dieses Live-Album alles mit, was notwendig ist, um die Boxen eurer Stereoanlage zum Bersten zu bringen. Der Drumsound ist unglaublich heavy ausgefallen, die Gitarrenriffs kommen haargenau auf den Punkt und stellen sogar das Können des Slayer-Duos King/Hanneman in den Schatten, und neben der unglaublichen Tatsache, daß man diesmal sogar einen Bass-Sound ausmachen kann, sorgt vor allen Dingen Frontmann Paul Baloff für einen Trip in glorreiche Metal-Tage. Obwohl das Songmaterial schon eine Dekade auf dem Buckel hat, wirkt bei dieser Live-Scheibe nichts, aber auch wirklich gar nichts altbacken. Im Gegenteil: In dieser Form könnten EXODUS an alte Glanzzeiten anknüpfen, was sie im Rahmen ihrer anstehenden Europa-Tour vermutlich auch tun werden.Dieses Album muß man - entweder als Ergänzung zu "Bonded By Blood" oder als Schnupperscheibe - haben, um festzustellen, auf welchem technischen Niveau sich diese Band während ihrer bisherigen Karriere bewegt hat und wohl noch bewegen wird. Ein besseres Live-Album einer Thrash-Band habe ich jedenfalls noch nie gehört, und dem Vorwurf des stumpfen Geprügels setzen sich EXODUS nach wie vor nicht aus: "Another Lesson In Violence" ist die höchste Schule des Bay Area-Thrash, Filigrantechnik verbunden mit unglaublicher Dynamik, die vor allem von einem kultigen Paul Baloff in Höchstform dominiert wird. Da kann es bei aller Kritikfähigkeit eigentlich nur die Höchstnote geben... P.S.: Wer meint, einige 'Impaler'-Riffs schon mal bei Metallica gehört zu haben, liegt durchaus richtig. Allerdings sollte man die Urheberrechte eher EXODUS zuschreiben, denn als Kirk Hammett zu Hetfield und Co. wechselte, gehörte der Song schon zu den Live-Standards der späteren "Bonded By Blood"-Helden. Durchaus ein weiterer Qualitätsbeweis, denn welche Band kann schon von sich behaupten, Pate für den einen oder anderen Metallica-Track gestanden zu haben?

Autor:
Thomas Kupfer
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