Review

Reviews 8,5
Progressive

SAMSARA BLUES EXPERIMENT

End Of Forever

Label: Electric Magic
Dauer: 51:12
Erscheinungsdatum: 08.01.21
Ausgabe: RH 403

Der Name irritiert wahrscheinlich immer noch. Deshalb zunächst Klartext: SBE gehören zu den besten Stoner/Psychedelic/Prog-Bands des Landes. Ihr Vorsteher, Gitarrist/Sänger Chris Peters, ist wohl einer der letzten musizierenden Individualisten, weshalb die Band trotz der vielen guten Kritiken nach wie vor auf totale Autonomie setzt. Seit ein paar Jahren gehört ein Moog-Synthie zum festen Instrumentarium, bei einem Trio eine gewagte Sache. Peters muss sich also stets entscheiden, ob er live in einem Part Synthie oder Gitarre spielen will. Das elfminütige, trotzdem kurzweilige 'Second Birth' dreht deshalb erst mal ein paar wunderschöne Runden mit Bass (fetter Delay, fast wie eine Gitarre gespielt), Drums und sinfonisch klingenden Synthie-Soundscapes. Dann setzt der Gesang ein, und Peters bringt die Nummer im Stile eines Metal-Blues-Erzählers und einer Riff-Folge, auf die Black Sabbath stolz wären, zu Ende. Das ist allein schon sehr innovativ gemacht. 'Massive Passive' wird mal als einer der wenigen SBE-Songs gelten, die so was wie Hit-Appeal hatten. Mit Strophen und Refrains und einer zupackenden Melodie. 'Southern Sunset' setzt auf südamerikanisches Santana-Jam-Feeling, während das instrumentale 'Lovage Leaves' folkiges Led-Zeppelin-Flair verströmt. Das Titelstück setzt wieder auf Black-Sabbath-artige Schwere, ehe ein Tastensolo mit ruhigerer Begleitung in den Raum schwebt (liebt man auch von Opeth). Das sind natürlich alles verzweifelte Vergleiche mit etablierten Namen. Christian Peters, Hans Eichelt (b.) und Thomas Vedder (dr.) spielen seit Jahren in ihrem eigenen Universum. Es wäre auch nicht verkehrt, ihnen einen Krautrock-Einfluss oder den freiheitsliebenden Songwriting-Stil von Rush anzudichten. Letztlich stimmt alles und auch nichts. Man braucht schon ein paar Durchläufe, um sich an diese eigenwillige Idee von Musik zu gewöhnen, wird aber wieder mal mit einem außergewöhnlich entspannenden Hörerlebnis belohnt. Auch das abschließende 'Orchid Annie' mischt Folk und psychedelischen Heavy Rock auf eine Weise, wie sie weltweit eigentlich nur SBE zelebrieren. Der klagende Sprechgesang sorgt für Melancholie. Ist dies ein musikalischer Abschiedsgruß? Peters ist nach Beendigung des Albums mit den Worten „Ich war eh nie ein Berliner!“ nach Brasilien ausgewandert. Schluck!

Autor:
Holger Stratmann
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