Review

Reviews 7.0

DEF LEPPARD

X

Ausgabe: RH 183

Unter mangelndem Selbstbewusstsein hat DEF LEPPARD-Frontmann Joe Elliott noch nie gelitten. Zu seinen beliebtesten Statements gehört unter anderem der Hinweis, dass es seiner Band immer darum gegangen sei, Alben zu produzieren, die auch in 20 Jahren noch relevant sind. Bei selbstkritischer Betrachtung der letzten Veröffentlichungen müsste jedoch selbst Elliott zugeben, dass diese dem eben erwähnten Qualitätsstandard nur bedingt Stand halten.

Auch „X“ wird kaum an die (kommerziellen) Jahrhunderterfolge „Pyromania“ und „Hysteria“ anknüpfen können, auch wenn das Quintett während der rekordverdächtig kurzen Songwriting-Sessions von nur einem Jahr mit diversen etablierten Co-Autoren kollaborierte, um dem eigenen Material einen zeitgemäßen Anstrich zu geben. Marti Fredrickson, der schon mit Aerosmith arbeitete, sowie Andreas Carlson und Per Aldeheim (´N Sync, Britney Spears, Backstreet Boys) haben zwar versucht, im Rahmen der Leppard-Trademarks neue Impulse zu setzen. Letzten Endes muss man aber feststellen, dass dies (gottlob?) nicht gelungen ist. Wie auch? Seit Jahren gibt es kaum eine Rockband, die ihre Vocal-Arrangements und Bombast-Chöre besser in Szene setzt als DEF LEPPARD, und auch soundmäßig fahren die Engländer seit jeher ihren eigenen Film. Einzig die Tatsache, dass man auf „X“ die Rockeinflüsse zugunsten poppigerer Klänge noch mehr in den Hintergrund gedrängt hat, zeugt vom Einfluss der Co-Schreiber-Riege.

Und so kommt es, wie es kommen muss: Auch nach mehreren Durchläufen will das zehnte Studioalbum der Band nicht so recht zünden, das Songmaterial wirkt phasenweise erschreckend kalkuliert und glatt geschliffen, und einen druckloseren Gesang hat Elliott noch nie abgeliefert.

Lediglich Tracks wie der Opener ´Now´, das beschaulich groovende ´You´re So Beautiful´ oder ´Scar´ erinnern bei viel Vorstellungsvermögen an frühere Heldentaten des Quintetts. Ansonsten dominiert gepflegte Langeweile, die nur vom einen oder anderen Aufflackern der typischen DEF LEPPARD-Melodiebögen durchbrochen und somit vor dem totalen Mittelmaß gerettet wird.

Autor:
Thomas Kupfer
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