Review

Reviews 6.0

DEAFHEAVEN

New Bermuda

Ausgabe: RH 341

Anti/Indigo (46:35)
Ganz in die Alte Welt vorgedrungen ist der Hype und Streit um DEAFHEAVEN (Hipster und so) immer noch nicht - glücklicherweise vielleicht, wenn man sich der Musik der Band vorbehaltlos widmen will. „New Bermuda" knüpft mit seinem Selbstfindungskonzept inhaltlich an den Vorgänger „Sunbather" an und nimmt diesem auch musikalisch nichts: Die fünf Songs mäandern arm an Dynamik vor sich hin, woran auch George Clarkes einseitiges Geschrei Schuld trägt, und könnten mehr Breaks vertragen, wie die Band sie in Gestalt hübscher Klavier- und Soloparts durchaus beherrscht. Allerdings legt sie nach wie vor lieber das Blackgaze-Kohlepapier von Amesoeurs oder Alcest auf eine Screamo-Oberfläche, statt sich weiterzuentwickeln, wie es die Vorreiter längst getan haben. So bleibt zumindest in Europa, wo man das alles schon spannender gehört hat, der Eindruck eines durchschnittlichen Derivats bestehen.

4 Fragen an DEAFHEAVEN-Sänger George Clarke:

Was bedeutet dir der Begriff „Post Black Metal"?

»Nicht viel - außer dass er eine angemessene Klammer für all jene Bands darstellt, die aus der Black-Metal-Szene stammen, sich gegenüber artfremden Einflüssen öffnen und die Weiterentwicklung des Genres so vorantreiben. Ich lege zwar keinen allzu großen Wert auf stilistische Schubladen, kann mich aber durchaus mit anderen Gruppen identifizieren, für die man diese Bezeichnung heranzieht.«

„New Bermuda" soll eine vertonte Reise ins eigene Innere sein, aber der Titel suggeriert vielmehr, dass man sich dabei selbst verliert. Wie kommt´s?

»Der Ausdruck soll eine Art Paradies beschreiben, einen angestrebten Bestimmungsort, umgeben von den unwägbaren Gewässern der Wirklichkeit - die Situationen und Gefühle, die der Vorstellung eines falschen Versprechens Rechnung tragen, den Eindruck, man würde ertrinken, der sich aus Erwachsensein und Selbstgefälligkeit ergibt.«

Wie erklärst du dir den Umstand, dass DEAFHEAVEN als Band das Interesse von Medien wecken, die sich normalerweise nie mit extremem Metal beschäftigen würden?

»Dazu fällt mir nur ein, dass wir hart arbeiten, jede Gelegenheit wahrnehmen, die sich auftut, gerne auf andere Menschen zugehen und niemanden abweisen würden, der sich für unsere Musik begeistert.«

In Deutschland und Europa generell seid ihr längst nicht so bekannt wie bei euch in den USA. Wie werdet ihr das ändern?

»Indem wir das tun, was wir am besten können: Alben veröffentlichen, von denen wir zu hundert Prozent überzeugt sind, und unermüdlich Konzerte geben.« (as)

Autor:
Andreas Schiffmann
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