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DAVE GROHL

WHAT DRIVES US

Label: Roswell Films/Amazon Prime
Erscheinungsdatum: 30.04.21

Nicht jeder hat es mitbekommen, aber Dave Grohl hat sich längst einen Namen als Dokumentarfilmer gemacht. Neben zahlreichen Streifen mit befreundeten Bands oder dem Betrachten der eigenen Karriere mit den Foo Fighters und Nirvana, hat es dem Rock'n'Roll-Tausendsassa (Drummer, Sänger, Gitarrist, Bandleader, Projektleiter, Studiobesitzer...) vor allem das Innerste des Musizierens angetan. Welche Magie, welcher Antrieb, welcher höhere Sinn steckt dahinter? Diesem "Geheimnis", das man durchaus dem Bereich der Philosophie zuordnen darf, war Grohl schon bei 'Sound City' (2013) und 'Play' (2018) auf der Spur. In dieser Tradition steht auch "What Drives Us". Es ist eine schöne Auseinandersetzung mit dem Touren, und beschert nebenbei die Erkenntnis, dass selbst die Allergrößten einmal ganz klein angefangen haben. U2-Gitarrist The Edge bestätigt, dass die erste Probe der Band total schief geklungen hätte, Ringo Starr erinnert sich, dass die Beatles bei einer ihrer ersten UK-Reisen in einem klapprigen Van fast erfroren seien und Lars Ulrich muss lachend feststellen, dass Metallica tatsächlich die einzige Band sind, in der er je gespielt hat. Manchmal hat man das Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Grohl: »Dieser Film ist mein Liebesbrief an jede*n Musiker*in, der*die jemals mit den Freunden in einen alten Van gesprungen ist und alles zurückgelassen hat, nur um Musik zu spielen. Was als Projekt begann, um den Schleier der DIY-Logistik zu lüften, alle Freunde und Equipment monatelang auf kleinen Raum zu stopfen, wurde schließlich zu einer Erkundung des „warum". Was treibt uns an?"

Der Film lebt zwar auch von der imposanten Star-Besetzung (u.a. noch Dave Lombardo, Flea, Slash, Steven Tyler), vergisst aber keineswegs die Randfiguren der Szene. Wie das Schicksal des dunkelhäutigen Dead Kennedys-Drummers D.H. Peligro, der jahrelang mit einer Drogenabhängigkeit kämpfte. Der Schwerpunkt liegt klar auf Alternative, Metal und Punk, der zeitweilige Schwenk zu Protagonisten der Blues-, Pop-, oder Jazz-Szene tut dem Film aber gut. Letztlich ist es eben ein sehr universelles Thema. Es geht um das Lebensgefühl mit ein paar Irren in einem kleinen Bus durch die Lande zu vagabundieren, als junger Mensch wertvolle Erfahrungen zu machen, die individuelle Freiheit und das Unbekannte zu entdecken, sowie die wertvolle Gabe selbst als vermeintlicher No-Name wildfremde Menschen glücklich machen zu können. Und um übelriechende Bus-Fürze und Beinahe-Unfälle. »The reward is the experience«, heißt es einmal. Es ist ein indirekter Aufruf an die Generation Playstation, sich aus ihren Sesseln zu erheben und echte Erfahrungen zu machen, nicht nur virtuelle. Und es räumt mit dem bescheuerten Vorurteil auf, den Musikern ginge es nur um's Geld und die Karriere. Ein schöner Blick hinter die Kulissen, der ab dem 30.04. zunächst einmal nur exklusiv bei Amazon Prime zu sehen ist.

Autor:
Holger Stratmann
AMAZON EMPFEHLUNG

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