Review

Reviews 8.5

CALIBAN

Shadow Hearts

Ausgabe: RH 189

(38:43)

CALIBAN haben sich zweifelsohne zu einer von Europas wichtigsten Hardcore-Bands gemausert, auch wenn die Kategorisierung Hardcore nur bedingt zutrifft. Hardcore ist hier lediglich Einstellung und Erscheinung; dazu kommen die fetten Moshcore-Passagen und die klirrenden, heiseren Kreischvocals von Andy Dörner. Davon abgesehen sind sie vor allem eins: Metal. Und zwar samt fetter Doublebass-Gewitter und mal melodischer, mal todesbleierner Gitarren, die einen gewissen skandinavischen Einfluss nicht leugnen können. Damit dürften CALIBAN auch endlich den Vorwurf abschütteln, Slayer etwas zu leidenschaftlich Tribut zu zollen. Im Vergleich zu den artverwandten Killswitch Engage gehen sie deutlich extremer und krachiger zu Werke, sind dabei jedoch variabler und eingängiger als die ultrabrutalen Hatebreed. Trotz Woodhouse-Produktion hat der Sound für meinen Geschmack zwar etwas viel Treble, kreiert aber mühelos die viel zitierte wall of sound.

Einer der Knallersongs von "Shadow Hearts" steht zweifelsohne ganz am Anfang: Nach einem kurzen Intro wird man von dem klasse arrangierten ´Forsaken Horizon´ in ein Wechselbad der Gefühle getaucht. Brutale Stomps wechseln sich ab mit treibenden Beats, noisig sägende Riffs mit wunderbar harmonischen Gitarrenduellen und die dominierenden Extrem-Vocals im Refrain mit melancholischen, cleanen Stimmen. Das apokalyptische ´Scream´ und speziell das gradlinige ´The Seventh Soul´, deren cleane Vocals sich wohltuend vom kontrollierten Chaos abheben, überzeugen mit einem weniger krassen Auf und Ab. ´Bad Dream´ ist heftig psychotisch mit gekonnten Dissonanzen, Stakkato und Doublebass-Attacken, wogegen bei ´Fire Is My Witness´ ein wenig Death durchschimmert.

Erwähnenswert ist auch das Artwork von "Shadow Hearts", das vom griechischen Ausnahmekünstler Spiros Antoniou (auch bekannt als Set<´h) stammt und an die besonders düsteren Visionen von Dave McKean erinnert.

Leichte Kost bieten CALIBAN definitiv nicht, und "Shadow Hearts" braucht ein paar konzentrierte Durchläufe, bevor sich seine vielschichtige Struktur entfaltet. Dann gibt es jedoch den Blick frei auf ein abwechslungsreiches, modernes Album, das internationale Vergleiche nicht zu scheuen braucht.

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