Review

Reviews 9.5
Hardcore

BROILERS

Puro Amor

Label: Skull & Palms/Warner
Dauer: 46:27
Ausgabe: RH 407

Besser checken, ob die A-Seite des 90er-Tapes beim Kopieren tatsächlich das ganze gut 46-minütige Album mitnimmt (meistens ist ja ein bisschen Spielraum), denn sonst verpasst man das Paukenschlag-Finale: Die abschließenden 60, 70 Sekunden von Song Nummer 14, ´An allen anderen Tagen nicht (Lebe, du stirbst!)´, hinterlassen sprachlos, die Quasi-Essenz von „Puro Amor“ fasst an und bewegt, man kann sie, sofern nicht kalten Herzens geboren, nicht einfach wegnicken oder weglächeln - die Klarheit der simplen Worte wirft um, fernab jeder Banalität; wer weiß, was Savatages ´Believe´ oder Saviour Machines ´Jesus Christ´ als letzte Statements auslösen, liegt richtig, wenn er dieses BROILERS-Lied in dieselbe Reihe stellt.

Kann sein, dass manch einer hier Pathos wittert, aber Social Distortion schlagen nun mal Slime, die Düsseldorfer PunkrockerInnen, die 1994 als Rumpel-Oi!-Truppe angefangen haben, konnten sich von allzu lauen Klischees emanzipieren, indem sie diese lediglich mit einem Augenzwinkern fortführen, nie arrogant oder streberhaft, sondern mit einer herrlichen Natürlichkeit, für die vor allem die klugen Texte Sammy Amaras sorgen, die man sich, wenn man möchte, auf der Zunge zergehen lassen kann. Zwei-, dreimal versanden die musikalisch immer scheuklappenfreien Ausflüge ein wenig (´Dachbodenepisoden´, ´Alter Geist´, die nur mittelmäßige zweite Single ´Alles wird wieder ok!´), beim Rest feuert der Fünfer ausnahmslos einmal mehr aus allen Rohren, ernst und nachhaltig (´Nach Hause kommen/Zurück zu mir´, ´Porca Miseria´) genauso wie heiter (´Diktatur der Lerchen´, ´Niemand wird zurückgelassen´), und wenn die Bläser schmettern (´Da bricht das Herz´, ´Alice und Sarah´), gibt´s sowieso kein Halten mehr.

Die BROILERS bezeichnen „Puro Amor“, ihr achtes Studiowerk, dem Titel entsprechend als „Album über die Liebe“. Ich finde, das alles überschattende Thema der Platte ist Vergänglichkeit. Am Ende spielt es keine Rolle: „Puro Amor“ ist vor allem Begleiter in der Krise. Der verständnisvolle Freund. Und ja, auch ein Mutmacher. Und das ist nicht pathetisch oder kitschig - das ist lebenswichtig.

Autor:
Boris Kaiser
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