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BODY COUNT

Manslaughter

Ausgabe: RH 332

Sumerian/Warner (50:37)
Ich hätte es wissen müssen, aber nach sechs 20-Stunden-Schichten pro Woche kriegt man eben auch nicht mehr alles mit, was man eigentlich mitbekommen sollte. Die beiden Nulpen, die jeden Tag vor unserem Büroaufgang neben der brennenden Mülltonne rumhampeln, ihre (vermutlich) fiesen Visagen hinter weißen Kunststoffmasken verstecken und dabei ungefragt Weisheiten wie ´Talk S***, Get Shot´, ´Back To Rehab´, ´Get A Job´ oder ´Bitch In The Pit´ verbreiten, waren gar kein Trugbild meines überstrapazierten Gehirns, sondern tatsächlich die Herren Bittner und Peters. Was das mit diesem Review zu tun hat? ´ne Menge. Besser gesagt: ´ne ganze fuckin´ Menge, um mal im passenden Jargon zu bleiben. Unsere Beavis(Bittner)- und Buthead(Peters)-Lookalikes haben sich zwischen Tanztee und Gangbang nämlich flugs die Texte der aktuellen BODY COUNT draufgeschafft. Das ist zugegeben nicht sonderlich schwer, den Rang großer Poeten hatten Ice T. und Co. dann doch eher selten inne (remember ´Cop Killer´?), aber dass „Manslaughter" durch unser Soundcheckraster gerutscht, überhaupt nicht reviewt und vom Rest der Redaktion nicht wahrgenommen wurde, schmerzt dann doch. Weshalb wir nun Abbitte leisten und im Rahmen der „Verdammt lang´ her"-Rubrik unserer Chronistenpflicht nachkommen. Im digitalen Zeitalter ist eine vor wenigen Monaten veröffentlichte Scheibe eh uralt, weshalb an dieser Stelle zumindest noch mal auf folgende Fähigkeit von Ice T., seinem kongenialen Sidekick Ernie C. an der Gitarre und den anderen Homies bei BODY COUNT hingewiesen werden soll: Niemand, wirklich NIEMAND vermischt Gang-Weisheiten über Bitches, Niggas, Drogen und Gewalt auf so gekonnte Weise mit einer krachenden Mixtur aus Thrash-Metal-Riffs, HipHop, Rap und Old-School-Hardcore wie dieses Abrisskommando. Und - Überraschung! - nach einigen Tiefpunkten in der Diskografie ist „Manslaughter" (das fünfte Studioalbum der Bandgeschichte) wirklich keinen Deut schlechter als das weltweit als Klassiker anerkannte Debüt „Body Count" (1992). Zu dem (oder zumindest seinen Haupteinflüssen) schlägt man 22 Jahre später nicht nur mit einer 2014er Version des Suicidal-Tendencies-Smashers ´Institutionalized´ gekonnt die Brücke, sondern klingt auch so frisch und authentisch wie in grauen Anfangstagen. ´Wanna Be A Gangsta´? You fuckin´bet!!!

Autor:
Thomas Kupfer
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