Review

Reviews 9.0
Heavy Metal Speed Metal

BLIND GUARDIAN

The God Machine

Label: Nuclear Blast/Rough Trade
Dauer: 51:05
Erscheinungsdatum: 02.09.22
Ausgabe: RH 423

Dass die blinden Gardinen nach „Beyond The Red Mirror” und der 23 Jahre lang im bandeigenen Zauberkessel brodelnden Twilight-Orchestra-Schwerstgeburt „Legacy Of The Dark Lands“ erst mal genug von allzu opulentem Orchester-Bombast haben, verwundert nicht. Als fester Bestandteil der Guardian-Identität sind zwar auch auf „The God Machine“ epische Elemente in Hülle und Fülle zu finden - am prominentesten bei den ausschweifenden Fantasy-Glanzstücken ´Secrets Of The American Gods´ und ´Life Beyond The Spheres´ -, allerdings wurden diese stärker in den Hintergrund gerückt, um zu jeder Zeit die Band selbst im Zentrum des Geschehens hervorzuheben. „The God Machine“ entpuppt sich pünktlich zum 30-jährigen Jubiläum von „Somewhere Far Beyond“ als lupenreine Rückbesinnung auf alte Großtaten und brettert derart organisch, energiegeladen und kompakt durch die Botanik, dass man sich direkt in die vom Speed Metal dominierte Spätachtziger/Neunziger-Ära der Krefelder zurückversetzt fühlt. Wem die letzten Alben zu symphonisch und überladen tönten, dürfte bei hymnisch-thrashigen Brechern wie ´Violent Shadows´, ´Architects Of Doom´, ´Damnation´ und ´Blood Of The Elves´ sein Glück finden, zumal Frontbarde Hansi Kürsch hier so fies shoutet wie selten zuvor. Einen Moment zum Durchatmen bietet das getragene ´Let It Be No More´, das als klassische Power-Ballade jedoch deutlich aus dem Folk-Muster vorhergegangener Seelenstreichler wie ´Curse My Name´, ´Skalds And Shadows´ oder dem ´Bard´s Song´ ausbricht. Mit „The God Machine“ erfinden sich BLIND GUARDIAN also ein Stück weit neu, ziehen die Inspiration dafür aber aus ihrer eigenen Geschichte und knüpfen so geradewegs an den 1998er Meilenstein „Nightfall In Middle-Earth“ an. Willkommen in der Vergangenheit!

Autor:
Simon Bauer

Melde dich für unseren Newsletter an und verpasse nie mehr die wichtigsten Infos