Review

Reviews 9
Progressive

BLIND GUARDIAN

Legacy Of The Dark Lands

Label: Nuclear Blast/Warner
Dauer: 75:29
Erscheinungsdatum: 01.11.2019
Ausgabe: RH 390

Das lange Warten - 23 Jahre! - hat sich gelohnt. Das Blind-Guardian-Orchesteralbum, das manch einer schon für das Bielefeld des Heavy Metal hielt, ist tatsächlich die erhoffte Innovation, das so nie zuvor gehörte Miteinander von Musical, romantischer Klassik, Hörspiel, Soundtrack und gitarrenlosem Metal bzw. Progrock geworden. Hier gibt es keinen keimfreien Kitsch à la Trans-Siberian Orchestra, sondern sehr eigenständige Fantasy-Klangkunst mit Tiefgang. Komplexe, vieldimensionale Orchesterarrangements erweitern die nach wie vor angenehm präsenten Blind-Guardian-Vibes, und Hansi hat sich als Sänger noch einmal deutlich weiterentwickelt. Einmal zu oft um die Ecke gedachte Melodien sind glücklicherweise selten. Die mit Wagner-Pomp durch die Boxen rauschenden 'War Feeds War' und 'In The Underworld', das trotz der geänderten Story Auenland-Flair verbreitende 'Dark Cloud's Rising', das mit wunderschönen mehrstimmigen Gesangspassagen verzaubernde 'The Great Ordeal', die tolkieneske Hymne 'Treason', das mit Tschaikowski-Leichtigkeit tänzelnde 'Point Of No Return' und das hyperbombastische 'Harvester Of Souls' sind Ohrwurmwundertüten, die schon nach wenigen Durchläufen Wohnrecht im Langzeitgedächtnis beanspruchen. Auch das in Hans-Zimmer/John-Williams-Manier mit der symphonischen Dramatik eines Hollywood-Blockbuster-Soundtracks beeindruckende Doppelfinale 'This Storm'/'Beyond The Wall' braucht keine lange Anlaufzeit, und das furiose Mini-Musical 'In The Red Dwarf's Tower' gehört zum Inspiriertesten, was im Klassik-plus-x-Segment jemals für große Partituren gesetzt wurde.

Wer das „Legacy Of The Dark Lands“-Material in früheren Stadien gehört hat, ahnt, wie unglaublich viel Arbeit in den finalen Versionen steckt, die wie selbstverständlich in einem Metier Großes entstehen lassen, wo bis vor kurzem noch überhaupt kein Metier war. Manchen Song würde man auch gerne mal in einer Metal-Version hören, seine ganze Magie entfaltet das BLIND GUARDIAN TWILIGHT ORCHESTRA-Album aber nur in genau diesem Setting. Danke, André und Hansi, für dieses Monumentalwerk (das für mich immer eine „Herr der Ringe“-Klangreise bleiben wird).

Autor:
Ronny Bittner
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