Review

Reviews 8.0

BARONESS

Yellow & Green

Ausgabe: RH 303

Relapse/Rough Trade (75:44)

Nach „Red Album“ und „Blue Record“ nun „Yellow & Green“: Ja, BARONESS konnten nicht widerstehen und erweitern ihr eigenes Farbspektrum, ganz im Sinne der Erfinder der (vor allem) siebziger Jahre, diesmal mit einem Doppelalbum. Dass man sich in dieser beinahe abendfüllenden Ansammlung neuer Songs deutlich vom Sludge-Metal der Anfangstage entfernt, dürfte bei dieser progressiven Band niemanden überraschen. Die Frage ist vielmehr: Werden die Kompositionen des Georgia-Vierers den immensen Vorschusslorbeeren gerecht? Die schreibende Kollegenschaft, vor allem in den USA, findet: ja. Und noch mehr als das: „Yellow & Green“ wird bereits zum Meilenstein, zum „Album des Jahres“ (mindestens!) hochgejazzt. Das darf man natürlich so sehen - man kann „Yellow & Green“ aber auch einfach „nur“ gut finden, ohne in Superlative auszubrechen. Die Krux: Das Songwriting ist über Strecken einfach zu unscheinbar, für ein intellektuelles Meisterwerk, und genau das wird der Band ja angedichtet, fehlt eine Art Überbau, ein Wort wie „beliebig“ dürfte einem eigentlich ebenfalls unmöglich in den Kopf kommen, und nur die beiden sehr früh platzierten ´Take My Bones Away´ und ´March To The Sea´ sowie ´Sea Lungs´ werden von Hooks getragen, an die man sich, heute gehört, morgen noch freudig erregt erinnert.

Dass „Green & Yellow“ alles in allem trotzdem ein Wohlfühl-Werk geworden ist, dafür sorgt vor allem die Stilistik, dieses stets leicht Mäandernde, das die Musik der Südstaatler auch ohne allzu offensive Highlights zum Vergnügen macht. Wo die eng verwandten Mastodon immer deutlicher im Classic Rock wildern, konzentrieren sich BARONESS viel stärker auf ihre Psychedelic-Einflüsse (´Twinkler´, ´Cocainium´, ´Collapse´), und sie verarbeiten sogar mehr und mehr, und das ist heute gar nicht mal so cool, lupenreine Indie-Rock- und „Alternative“-Einflüsse (´Little Things´, ´Board Up The House´), wobei man manchmal mit offenen John-Frusciante-Gitarren tatsächlich in Chili-Peppers-Gewässer vordringt (´Mtns.´, ´Stretchmarker´) - immerhin, ohne darin zu ertrinken.

„Yellow & Green“ tönt summa summarum nicht genial, es klingt auch gar nicht mal so unmenschlich mutig. „Yellow & Green“ ist einfach nur das, was BARONESS eben gemacht haben: ein hörenswertes Doppelalbum mit viel Licht, aber auch Schatten, auf dem Grenzen und Erwartungen, und DAS muss man natürlich irgendwie gut finden, keine wirkliche Rolle spielen.
 

Autor:
Boris Kaiser

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