Review

Reviews 8.5

BACKYARD BABIES

Making Enemies Is Good

Ausgabe: RH 169

Tränen! Trauer! Selbstmordgedanken! Die neue BACKYARD BABIES rotiert im Player, und die Magenschmerzen werden immer höllischer. Keine schnellen Nummern, keine Schreie, kaum Gitarren-Gefiepe - eine totale Katastrophe!

Fünf Durchläufe später - das Ding wird immer und immer wieder abgenudelt, weil man´s einfach nicht wahrhaben will - haben sich die körperlichen Qualen dann glücklicherweise verabschiedet. Die geniale Intensität des Götteralbums „Total 13", auf das ich im Nachhinein erdbebensichere zehn Punkte geben würde, wird zwar nicht erreicht, die leichte stilistische Kurskorrektur steht den Babies ansonsten aber gar nicht schlecht zu Gesicht. So routiniert und abgebrüht rocken ansonsten eigentlich nur Mega-Acts wie Alice Cooper oder Guns N´Roses, wobei es Dregen & Co. aber wundersamerweise geschafft haben, sich genügend Rotz und Aggressivität zu bewahren. Hitverdächtiger Stadion-Rock verschmilzt übergangslos mit traditionellem Sleaze-Gepose à la Hanoi Rocks, leicht melancholischen Seufzern in Social Distortion-Manier und der gewohnt rotzig-wütenden Punkrock/Schnoddersound-Melange, die in dieser Qualität wirklich nur die Babies in die Gosse donnern.

´Payback´ (brillante Bridge!), ´Brand New Hate´, ´The Clash´, ´My Demonic Side´ (Sommerhymne!), ´The Kids Are Right´, ´Heaven 2.9´, ´Too Tough To Make Some Friends´, ´Bigger W/A Trigger´ und ´P.O.P´ sind Superohrwürmer, die es verdammt weit bringen könnten. Dazu noch mit ´Painkiller´ und ´Ex-Files´ zwei grandiose Rinnstein-Halbballaden: Fertig ist eine famose, zeitlose Rock´n´Roll-Dampframme, die dank ihrer detailverliebten Arrangements und der wie immer alles wegpustenden Produktion von Überdruck-Spezialist Tomas Skogsberg eigentlich nur von einer anderen Scheibe getoppt wird. Einer gewissen „Total 13"...

Autor:
Michael Rensen
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