Review

Reviews 2.0

BABYMETAL

Babymetal

Ausgabe: RH 338

PLUS-MINUS

Earmusic/Edel (66:08)
Ich mag Sushi, Electric Eel Shock und Shinji Kagawa. Kürzlich hat ein deutscher Verwaltungsbeamter in Schiedsrichteruniform „unserem Shinji“ einen gelben Karton unter die Nase gehalten, obwohl ja nun bekannt ist, dass Japaner zu Fouls überhaupt nicht in der Lage sind. Was für eine kulturlose Pfeife! Welche Absichten BABYMETAL verfolgen (meinen die das ernst?), ist noch viel undurchsichtiger. Oberflächlich betrachtet gibt´s hier einen „bösen“ Slipknot-Sound, der gelegentlich in Nightwish-Träller-Orgien und fiese Euro-Techno-Kapitel zerfällt. Im Vordergrund leihen drei kleine Hupfdohlen (in Schulmädchen-Uniformen - logisch) dem Ganzen ihre Piepsstimmen, so dass man im ersten Moment gar nicht anders kann, als zu schmunzeln. Dieser Effekt hält etwa 30 Sekunden, dann befällt einen eine Stunde lang das absolute Grauen, die Metal-Hölle, das Armageddon des Rock. Zur Ehrenrettung der Backing-Band sollte man erwähnen, dass der Songwriter dieses Irrsinns so meisterhaft Arrangements von Metallica, Ministry und Blind Guardian eingebaut hat, als würden die Original-Musiker Gastbeiträge liefern. Perfekt kopieren konnten die Japaner schon immer, ja, auch dieses Klischee ist nicht totzukriegen. Anhören kann man sich den Kram als echter Metal-Liebhaber trotzdem nicht. Einen Punkt für die Originalität und einen fürs Handwerk.
Holger Stratmann
2

Ich mag Makoto Hasebe, Takashi Inui, Mucc und Dir En Grey. Die beiden Erstgenannten spielen Fußball, die beiden anderen innovativen Visual-Kei-Metal. An die visionäre Strahlkraft dieser Bands reichen BABYMETAL nicht heran, und natürlich ist das Hüpfdohlen-Spektakel bis zum letzten Hintergrundmusiker gecastet und radikal auf sterile japanische Massentauglichkeit gebürstet, im instrumentalen Bereich hat man aber mehr zu bieten als der Großteil der westlichen Schwermetall-Konkurrenz. Das konsequente und perfekt arrangierte Vermengen von völlig gegensätzlichen Stilrichtungen macht Spaß (´Gimme Chocolate!!´ ist gar ein echter Hit), auch wenn das Gequietsche des Teenie-Trios zugegebenermaßen streckenweise nervt. Die Metal-Hölle hört sich für mich dennoch anders an. Lieber eine konstruierte Band mit frischen Ideen als die sterbenslangweiligen, immer gleichen Bierschiss-Stampfer, mit denen uns diverse „authentische“ Bands seit Jahrzehnten einzuschläfern versuchen.
Michael Rensen
6,5

Autor:
Michael Rensen
Holger Stratmann
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