Review

Reviews 7.5

ATREYU

Suicide And Butterfly Kisses

Ausgabe: RH 182

Melodischer Hardcore mit satten, erdigen Gitarren und treibenden Beats. Für den Fakt, dass die Burschen aus dem Süden Kaliforniens stammen, scheint auf ihrem Debüt ziemlich wenig Sonne. Und das, obwohl ATREYU ganz sicher zu den gemäßigteren Bands zwischen all den Victory-Pitbulls zu zählen sind. Die nötige Portion Wahnsinn bringt Sänger Ektor Alexander Varkatzas außerdem zuhauf mit. Zwischen leidvollem Geschrei und tollem Klargesang hat er einfach alles auf der Pfanne. Erinnert vom Timing und Stil her oft an den guten Nathan Grey von Boysetsfire. Ektor zeichnet ein interessantes, mitunter zerbrechliches, aber umso leidenschaftlicheres Porträt seiner selbst. Zugleich Poet und Komponist zu sein, ist eine Menge Verantwortung, aber der Rest der Band kann sich entspannt zurücklehnen: Der Bursche hat es echt drauf.

´A Song For The Optimists´ ist ein mitreißender Metal-Kracher geworden, die Leads hätten gut und gern auch auf ?Amok? von Sentenced stehen können. Dennoch ist es ziemlich schwer, ATREYU musikalisch exakt zu definieren. Und das macht vermutlich auch den Reiz der Band aus.

Auch der Blick ins Booklet ist reizvoll. Zwar gibt es nicht solche Schmachtfetzen wie ´Fractures In The Facade Of Your Porcelain Beauty´ (von der gleichnamigen Debüt-EP 2001), aber ´Tulips Are Better´ und ´Deanne The Arsonist´ (mit Melodie, die sich in den Schädel fräst) sind auch sehr gelungen. Die Scheibe schließt mit dem epischen ´Lip Gloss And Black´. Hier treffen sich Piano, seichte Gardenian-Twin-Guitar-Einlagen und klassische Arrangements auf ergreifende Weise. Ein satter Start für ATREYU. Hut ab.

Autor:
Volkmar Weber
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